Ansatzpunkte der biologischen Heilkybernetik (Integrale Medizin)

Was unsere Behandlung zur biologischen Heilkybernetik macht – einer wirklich Integralen Medizin

Wir erkennen an, dass der Organismus ein offenes komplexes System ist, was seine eigenen Regeln hat. Diese Regeln erklären wir Ihnen durch Forschung belegt in diesem Artikel, der gleichzeitig auch die Systematik hinter unserer Methodik erklärt. Auf diese Regeln nehmen wir in diesem Artikel immer wieder Bezug, weswegen wir Ihnen raten zunächst den Artikel zu unserer Systematik zu lesen.

In der Grafik unten finden Sie das Ergebnis unserer Definition von Krankheit  (Start) und Gesundheit (Ziel), sowie des Heilweges zur Erlangung von Gesundheit:

In dem vorliegenden Artikel wollen wir erörtern, welche Konsequenzen sich aus der Systematik des menschlichen Organismus für eine wirklich ursächliche Behandlung ergeben.

Um die Besonderheit unseres integralen Ansatzes greifbar zu machen, wollen wir jedoch zunächst bekannte Ansätze wie die Schulmedizin, die Funktionelle Medizin, die klassische Naturheilkunde und das Biohacking besprechen, um dann die biologische Heilkybernetik im Sinne der Integralen Medizin davon zu differenzieren.

Drei Fehler treten dabei hauptsächlich bei linear denkenden Heilansätzen auf:

“Zum einen in der getrennten Betrachtung von Systemteilen und der dadurch bedingten Ignorierung von Rückkopplungen und Regelkreisen. Zweitens in der Tendenz – falls uns solche begegnen –, diese möglichst auszuschalten und bestehende Führungsgrößen festzuschreiben. Drittens in dem zu kurzen Planungshorizont, der solche Rückwirkungen nicht erfasst.”

Frederic Vester, Die Kunst, vernetzt zu denken, 2001, S. 39

Am Ende dieses Artikels werden wir Ihnen demonstriert haben, dass alle bekannten Heilansätze mindestens einen dieser Fehler begehen und damit nicht als kybernetisch gelten können. 

Wie bekannte Heilansätze “denken” und “handeln”

Der schulmedizinische Heilansatz und das Biohacking denken linear und nicht komplex.

Die Funktionelle Medizin und die klassische Naturheilkunde denken in Ansätzen komplex, behandeln aber letztendlich leider linear.

Schulmedizin

Die Schulmedizin glaubt, dass wir Krankheiten noch nicht besiegt hätten, weil uns noch wesentliche Informationen zur Funktionsweise des menschlichen Organismus fehlen würden. Wir gehen allerdings davon aus, dass wir es nicht mit einem Informationsmangel zu tun haben, sondern mit der Unfähigkeit aus einer Informationsflut relevante Informationen zu extrahieren.

Die Betonung auf Quantität statt auf Qualität von Informationen entstammt der Angewohnheit den menschlichen Organismus als linearen Biocomputer zu begreifen, anstatt als offenes komplexes System. Dementsprechend werden in der Medizin genau die gleichen Fehler betrieben wie auch allgemein bei der Organisation von Informationen:

“So sind auch die Bemühungen unserer EDV-Spezialisten und der weltweite Datenzugang über das Internet meistens nur lineare Vorstöße, im guten Glauben, dass die Bewältigung der Komplexität des Systems vor allem nach mehr und genaueren Daten verlangt und eine Klassifizierung nach Obergegriffen genügt. Doch wachsende Datenmengen führen ähnlich wie wachsender Verkehr letztlich zum Chaos und damit zur Ineffizienz. Von einer besseren Beherrschung von Komplexität durch die schnelle automatische Datenübertragung kann jedenfalls keine Rede sein. Der Nutzen von Informationen liegt eindeutig in der Auswahl, nicht in der Fülle, in ihrer Relevanz, nicht im Übertragungstempo. Zur Erarbeitung systemverträglicher Strategien müssen also auch in der EDV die Weichen anders gestellt werden. Sie muss uns helfen anstelle möglichst vieler Punkte Muster zu erfassen.”

Frederic Fester, Die Kunst, vernetzt zu denken, 2001, S. 24

In der Integralen Medizin gehen wir also ganz anders mit Informationen um, nämlich so:

“Wir halten mit dem ständigen Fluss neuer Informationen durch einen Prozess der Vereinfachung durch Ersetzung Schritt: Mit der Zeit und schrittweise werden empirische Informationen (wie Messungen, Daten und komplexe empirische Modelle) durch viel kleinere zusammenfassende Aussagen (wie Konzepte, Formeln, konstitutive Beziehungen, Prinzipien und Gesetze) ersetzt. Empirische Fakten (Beobachtungen) sind extrem zahlreich, wie die Berghänge eines Flusseinzugsgebiets. Die Gesetze sind die extrem wenigen großen Flüsse. Eine Hierarchie von Aussagen entsteht auf natürliche Weise, weil sie den Informationsfluss erleichtert. Sie ist Ausdruck des nie endenden Kampfes aller Flusssysteme, sich selbst zu gestalten und umzugestalten.”

Adrian Bejan, Design in Nature, 2012, S.163

Wir bedienen uns also der Prinzipien der biologischen Heilkybernetik selbst, indem wir nach Mustern suchen, die mit den übergeordneten naturwissenschaftlichen Prinzipien übereinstimmen. Diese Muster wiederum, stellen entscheidende Hebel zur effektiven Beeinflussung des offenen komplexen Systems dar, solange sie möglichkst oben an der Hierarchie ansetzen, also beim Energie- und Nervensystem, statt am mittleren Management herum zu basteln:

Während die Schulmedizin aufgrund ihres Ansatzes Symptome statt Ursachen zu behandeln, dazu gezwungen ist auf lokaler Ebene einzelne Regelkreisläufe auszuschalten, setzt die biologische Heilkybernetik im Sinne einer Integralen Medizin an entscheidenden Schaltstellen des Organismus an, indem sie den hierarchischen Aufbau des kybernetischen Systems nutzt.

Für die Heilbehandlung wird dabei immer an der hierarchisch höchsten Stelle im System angesetzt, während die Organ- und Zellebene darunter lediglich entlastet werden. Den Unterschied zwischen Behandlung und Entlastung klären wir im Zusammenhang mit der klassischen Naturheilkunde.

Bei einem hormonellen Problem in etwa, substituiert die Schulmedizin das entsprechende Hormon und setzt damit den dazu passenden Regelkreis aus, der sich auf die lokale Ebene auswirkt:

Das Problem wird dabei ursächlich natürlich nicht gelöst:

  • Sobald die Substitution beendet wird, stellt sich der Mangel in der Regel wieder ein.
  • Zudem wird nicht beachtet, dass der Körper in vielen Fällen eingenommene Substanzen weiterverarbeiten kann. Substituiert man z.B. Progesteron, kann der Körper im Überlebensmodus Kortisol oder Östrogen herstellen.
  • Werden keine naturidentischen, sondern künstliche Hormone verwendet, stellen sich die Rezeptoren des Körpers unter Umständen auf das künstliche Hormon ein, wodurch der Körper das eigene Hormon oft nicht mehr gut genug erkennt – der Mangel verstärkt sich
  • Da Hormone in einen Regelkreis eingebunden sind, stellt der Körper bei externer Substitution aufgrund einer negativen Rückkopplung weniger des körpereigenen Hormons her
  • Außerdem verstellt die Substitution von naturidentischen und erst recht von künstlichen Hormonen oft den eigentlichen Regelkreis nachhaltig, selbst Jahre nach dem Absetzen der Hormone – ein Phänmomen, welches wir Arzneitkrankheiten nennen und im Laufe dieses Artikels noch besprechen werden.
Die Schulmedizin verstellt Regelkreise, wodurch die Selbstheilungskraft des Organismus dauerhaft leidet

All diese Manifestationen sind ein Ausdruck des fehlenden Verständnisses für den Sinn von Regelkreisen:

“Mit dem Prinzip des Regelkreises ist ein System in der Lage, Störgrößen, die von außen auf einen empfindlichen Systemteil, also auf die „Regelgröße“ treffen, aufzufangen und diese Störung selbsttätig – nicht durch Eingriffe – auszugleichen oder sogar zu integrieren. Bei der Selbstregulation werden die Sollwerte natürlicher Systeme, etwa das Gleichgewicht zwischen Rautier und Beute, der Wasserstand in einem Flußsystem oder die Konzentration eines Hormons im Blut, durch eine selbstregulierende, sogenannte „negative Rückkopplung“ über Meßfühler, Regler und Stellglieder automatisch in einem systemverträglichen Bereich gehalten. Das System wird damit fehlerfreundlich, robust gegenüber Störungen und immun gegen Schwankungen in seinem Umfeld.”

Frederic Vester, Die Kunst, vernetzt zu denken, 2001, S. 42-43 

Unerwünschte Nebenwirkungen verschwinden oft auch nach der Beendigung einer Intervention nicht, da der Organismus als offenes komplexes System ein Gedächtnis und eine Historie hat. Die Historie ist wichtig, damit das System lernen kann. Lernen kann ein System nur dann, wenn es alle seine Regelsysteme zur Verfügung hat. Denn jedes Regelsystem weist auch Sensoren auf, die dem Gehirn als Chefkoordinator des Systems Informationen liefert, um Sollwerte (Zielgrößen) zu etablieren. Werden von außen Regelkreise ausgestellt, verändert das Gehirn seine Sollwerte zunächst zwar nicht automatisch, es versucht zu kompensieren. Werden alledings zu viele Regelkreise zu oft manipuliert, operiert das Gehirn mangels korrekter Rückkopplung auf Basis falscher sensorischer Informationen. Chronische Krankheiten werden dadurch nicht geheilt, sondern erst erschaffen:

“Chronische Pathologien entstehen als vorhersehbare Folge davon, dass das Gehirn hoch optimierte Systeme über die beabsichtigten Grenzen ihres Designs hinaus antreibt. Diese reichlich vernetzten Systeme passen sich alle an die Befehle des Gehirns an. Folglich schlägt eine Pharmakotherapie, die darauf abzielt, einen „Laborwert“ wieder in den Normalbereich zu bringen, häufig fehl: Das Gehirn nutzt einfach alternative Wege, um sein Ziel zu erreichen. Je mehr Wege blockiert werden, desto mehr kann sich der Laborwert normalisieren, aber die Person verliert an Funktionsfähigkeit.”

Peter Sterling, What Is Health?, 2020 S.222

Wer also einzelne Systeme verstellt, reduziert auf Dauer die Selbstheilungskraft des Körpers.

Energiemängel als weitere von der Schulmedizin nicht beachtete Ursache verstellter Regelkreise

Eine andere Möglichkeit Regelsysteme auszustellen ist natürlich Energiemangel. Denn wir erinnern uns: der körperliche Organismus als  System ist letzten Endes ein Instrument zur Erneuerung und zukünftigen Erhaltung von Energieressourcen.

Über das Vorhandensein oder die Optimierung  von Energieressourcen wird allerdings bei der schulmedizinischen Behandlung von Hormonstörungen oder sonstigen Symptomen eigentlich kaum gesprochen. Energie wird einfach vorausgesetzt.

Zwar werden Störungen der energieproduzierenden Organellen auf Zellebene, den Mitochondrien, mittlerweile als Ursache für viele Erkrankungen anerkannt, doch der Energiemangel aufgrund von Nährstoffdefiziten als Grund der Mitochondriopathie an sich wird eigentlich nie genannt. Stattdessen, wird, wie üblich, auf die Genetik verwiesen. Ein Beispiel dafür sehen Sie im folgenden Zitat:

“Mitochondrien sind einzigartige Organellen, die für die Energieerzeugung in eukaryontischen Zellen verantwortlich sind. …

Unter physiologischen Bedingungen spielen Mitochondrien eine Hauptrolle bei der zellulären bioenergetischen Aktivität und Energieerhaltung; …

 

Eine mitochondriale Dysfunktion (Mitochondriopathie) ist gekennzeichnet durch eine verminderte mitochondriale Biogenese, Veränderungen des mitochondrialen Membranpotenzials, eine verringerte Anzahl von Mitochondrien und Veränderungen in der Aktivität der oxidativen Kapazität aufgrund von ROS-Akkumulation. …

 

Mitochondriale Störungen werden als genetisch bedingte Syndrome beschrieben, die mit einer gestörten OXPHOS einhergehen und durch Mutationen von Genen verursacht werden, die von der mitochondrialen oder nuklearen DNA kodiert werden.”

Liskova et. al, Mitochondriopathies as a Clue to Systemic Disorders—Analytical Tools and Mitigating Measures in Context of Predictive, Preventive, and Personalized (3P) Medicine, 2021

Hier wird zwar schön und in großem Detail beschrieben wie die Mitochondrien erkranken, doch nicht warum. Wobei natürlich auch längst bekannt ist, dass nur 2% aller Erkrankungen, die vormals als genetisch galten, tatsächlich genetischer Natur sind, wobei 98% epigenetischer Natur sind (siehe Bruce Lipton, The Biology of Belief, 2005, S. 27 ff). Das macht diese konventionellen Erklärungsansätze der Schulmedizin in Bezug auf die Mitochondriopathie kognitiv noch dissonanter, als sie ohnehin schon sind. Was der gesunde Menschenverstand gebietet, ist ja außerdem biologisch hinreichend belegt: ohne Energie kann kein Leben stattfinden. Natürlich können auch genetische und epigenetische Ursachen Mitochondriopathien verursachen. Aber ohne eine angemessene Nährstoffversorgung ist die Energieproduktion faktisch ausgeschlossen, weswegen es völlig unverständlich ist, dass diese grundlegende Tatsache routinemäßig in medizinischen Forschungspublikationen ausgeklammert wird.

Fazit:

Die Schulmedizin setzt an einzelnen Regelkreisen an, um Symptome zu bekämpfen. Dabei arbeitet sie in Unkenntnis oder Missachtung der kybernetischen Ordnung, vor allem der Organhierarchie mit dem Gehirn an der Spitze der Hierarchie. Die für den Organismus lebenswichtige Zellenergie setzt sie voraus. Damit arbeitet die Schulmedizin gegen, statt mit dem Organismus. Ursächliche Heilungen geschehen in der Schulmedizin eher zufällig und selten aufgrund von Heileingriffen. Oft jedoch verstellt die Schulmedizin Regelkreise nachhaltig und schafft so neue Symptome und Blockaden der Selbstheilungskraft. Wenn Symptome aufgrund schulmedizinischer Maßnahmen zwar verschwinden, aber dafür am amderer Stelle wieder auftauchen oder wenn aufgrund des Verschwindens von Symptomen die Heilfähigkeit des Systems als ganzes leidet, werten wir dies also nicht als (ursächliche) Heilung.

Die Schulmedizin begeht somit auch alle typischen Fehler, die zur Dysfunktionalität von Systemen führen. Sie betrachtet Systemteile unabhängig voneiander, da sie nicht ganzheitlich denkt. Sie interessiert sich nicht für Rückkopplungen, bzw. nimmt sogar aus der Ausschaltung von Regelkreisen auftretende Nebenwirkungen in Kauf. Der Planungshorizont bezieht sich dabei nur auf das einzelne Symptom, während langfristige Folgen der Symptomunterdrückung bei der Bewertung der “Heilung” unbeachtet bleiben.

Biohacking

Biohacking ist zwar keine Heilmethode, verspricht den Anwendern aber dennoch mehr Gesundheit und Jugend. Daher versprechen sich auch immer mehr Menschen vom Biohacking als Alternative zur Schulmedizin Heilung von chronischen Ekrankungen. Es ist vor allem deswegen attraktiv, da es vor allem eine Selbsthilfemethode ist, die Kontrolle über den eigenen Körper suggeriert, wie Dave Asprey, der Begründer des Biohacking suggeriert:

“Biohacking ist die Kunst und Wissenschaft, die Umwelt um dich herum und in dir zu verändern, damit du mehr Kontrolle über deine eigene Biologie hast.”

Viele Menschen wenden sich dem Biohacking zu, weil sie von der Schulmedizin enttäuscht sind und zudem hoffen, dass das Biohacking so etwas wie eine wundersame Abkürzung zur Erlösung von all ihren Leiden ist. Der positive und negative Aspekte des Biohacking lässt sich aus folgendem Zitat Aspreys extrahieren:

“The number one thing you can do as a biohacker is start paying attention to how you’re feeling,” says Asprey. “There’s always a reason, and the reason is always in the world around you.”

A biohacker, for instance, would never deal with insomnia by just accepting it and popping an Ambien—she’d examine everything from the temperature of her room to the time she shuts down her computer, looking for correlations to her symptoms. (And she might even use a tracker to do it.)

Dave Asprey in: The Beginner’s Guide to Biohacking, wellandgood.com/what-is-biohacking-dave-asprey/

Positiv an der Idee des Biohackings ist die Aufforderung den Körper in Bezug zu seiner Umwelt zu beobachten und Wechselwirkungen mit ihr zu beachten.

Dabei können z.B. Lebensgewohnheiten (z.B. Bettzeit, Ernährungsgewohnheiten) auf natürliche Biorhythmen des Körpers angepasst werden, um die natürliche Funktion des Körpers (Physiologie) zu unterstützen. Milde Maßnahmen des Biohackings sind z.B. die Bestrahlung mit Licht oder Wechselbäder.

Dieses sinnvolle Vorgehen ist allerdings nichts Biohacking Spezifisches, sondern gesunder Menschenverstand bei jeder Heilmethode, die sich nicht ausschlißlich auf maschinelle Messwerte verlässt.

Wobei die Erfahrung zeigt, dass viele Biohacker gerade nicht dazu in der Lage sind sich selbst zu beobachten, sondern allerlei technische Hilfsgeräte nutzen, um schlussendlich wieder nur Werte zu optimieren.

Um einiges bedenklicher wird das Biohacking, wenn Menschen ohne jede medizinische Ausbildung mit beachtlichen Mengen an Nährstoffen versuchen auf ihre Biochemie einzuwirken.

Dabei macht das Biohacking im Grunde nichts anderes als die Schulmedizin. Der Unterschied ist der, dass die Schulmedizin Symptome bekämpft und das Biohacking Funktionen steigern möchte. Gemeint ist damit die Leistungsverbesserung einzelner Regelkreise und nicht der kybernetischen Funktion als Ganzes. Denn im Biohacking gibt es kein Konzept eines ganzheitlichen Organismus.

Wie das obige Zitat belegt, ist der Körper aus der Sicht des Biohacking im Grunde ein willenloser Automat, der willkürlich auf seine Umwelt reagiert. Eine innere Weisheit oder Systematik wird dem  Organismus nicht zugeschrieben, weswegen einfach wild an Funktionen “geschraubt” wird, bis der Körper so reagiert, wie man ihn gerne hätte. Vieles, was das Biohacking als positives Ergebnis wertet, ergibt sich aus einer Überstimulierung des Körpers, z.B. die Angewohnheit ein durch das Stresshormon Adrenalin vermittelte Energiegefühl durch Fasten und Kaffee Trinken zu forcieren. Ein wirkliches Verständnis für die Produktion von Energie auf Zellebene zeigt sich dadurch nicht. Im Gegenteil. Die Stimulation von Notmechanismen wie den sogenannten Hungerstoffwechsel, der mit einer vermehrten Ausschüttung von Adrenalin einhergeht und energetische Notreserven aus dem Fett mobilisiert, schädigt auf Dauer die Mitochondrien. Dadurch werden kybernetische Mechanismen als Ganzes geschädigt und der Körper kann immer weniger Energie gewinnen.

Biohacker verbringen oft einen Großteil ihrer Zeit damit sich optimal vor der Umwelt zu “schützen”, z.B. indem sie mit Blaufilterbrillen herumlaufen oder nur spezielle thermoaktive Infrarotnachtwäsche verwenden. Trotz des großen Aktionismus ist damit das Biohacking aus der Sicht des Bewusstseins ein sehr passiver Vorgang. Es geht zu keiner Zeit darum z.B. dem Gehirn mittels Lernerfahrungen zu ermöglichen optimale Sollwerte im Sinne der Allostase in sich abzubilden. Dem Biohacker wird suggeriert, dass Gesundheit und Glück sich offenbaren, wenn er nur all seine Hacks richtig und regelmäßig ausführt. Eine grundlegende Auseinandersetzung mit sich selbst und den eigentlichen Regulationsmechanismen des Organismus kann so umgangen werden.

Der Selbstoptimierung sind dabei theoretisch keine Grenzen gesetzt, womit das Biohacking in die Nähe des Transhumanismus rückt. Denn ein “hack” ist nichts anderes als ein Trick, mit die Natur überlistet werden soll.

Fazit:

Das Biohacking bietet kranken Menschen neben einer Komponente des gesunden Menschenverstands keine wirkliche Alternative zur Schulmedizin. Hier wird lediglich an einzelnen Funktionen, statt an einzelnen Symptomen gearbeitet. Statt Medikamente werden Mikronährstoffe und andere biochemisch wirksame Substanzen verwendet, um Werte zu manipulieren. Das Konzept widerspricht sich im Grunde selbst, da die meisten Biohacker eher von Maschinen abhängig werden als ihren Körper besser kennenzulernen. Damit bringht das Biohacking mit seiner Abhängigkeit von maschinellen Messwerten Menschen noch weiter weg von der Natur als die Schulmedizin.

Das zentrale Problem des Energiemangels auf zellulärer Ebene wird beim Biohacking nicht systematisch und konsequenzt angegangen. Die Wiederherstellung zellulärer Energie ist nur ein Regelkreis unter vielen, wo das Biohacking ansetzt. Zwar gibt es im Biohacking Maßnahmen, die die Mitochondrien unterstützen sollen, aber genauso gibt es Maßnahmen, die ihnen schaden, wie z.B. die Hyperstimulierung des Organismus mit Kaffee.

Wir haben außerdem die Erfahrung gemacht, dass viele Biohacker sich außerdem auf Dauer mit ihrer Selbsbehandlung ohne jede medizinische Kenntnis selbst schaden, häufig ohne es zu merken. Noch trauriger ist, dass viele Biohacker ihr Nichtwissen durch Coachings  auch noch an andere Menschen weitergeben, die allerdings genauso wie sie auf der Suche nach Wundern und Abkürzungen sind, die es nicht gibt.

Insofern begeht das Biohacking auch die exakt gleichen kybernetischen Kardinalfehler wie die Schulmedizin, weswegen wir es als Heilmethode nicht berücksichtigen können.

Die vernünftige Unterstützung von natürlichen Biorhythmen nennen wir daher im Gegensatz zum Biohacking lieber Biosyncing. Es ist uns wichtig herauszustellen, dass es nicht darum geht den Organismus mittels “hacking” zu knacken und somit gegen ihn zu arbeiten. Wir arbeiten ausschließlich mit dem Organismus, da die Naturprinzipien schlauer sind als wir je sein werden. Daher beobachten wir die Naturprinzipien lieber als uns über sie zu stellen.

Funktionelle Medizin

Die Funktionelle Medizin ist als eine moderne Version der Naturheilkunde gedacht, die um moderne bildgebende Verfahren und vor allem Labortechnik erweitert worden ist und wurde von Dr. Jeffrey Bland begründet. Sie wird häufiger als die klassische Naturheilkunde auch von Ärzten ausgeübt, die von den Ergebnissen der klassischen Schulmedizin enttäuscht sind. Patienten wenden sich ihr ebenfalls zu, weil sie in der Regel von der Schulmedizin enttäuscht worden sind, möglicherweise aber einen “wissenschaftlicheren” Ansatz bevorzugen, als in der klassischen Naturheilkunde üblich. Nicht zu vergessen ist auch, dass in vielen Ländern nur Ärzte die Heilkunde ausüben dürfen, sodass teilweise den Patienten, die eine Alternative suchen, nichts anderes übrig bleibt, als sich der Funktionellen Medizin zuzuwenden. Jedenfalls dann, wenn sie sich nicht völlig unabhängig auf die Suche nach Lösungen machen wollen. 

Die Funktionelle Medizin schreibt sich auf die Fahnen die Ursachen von Erkrankungen zu behandeln:

“Als Katalysator für die Umgestaltung des Gesundheitswesens behandelt die funktionelle Medizin die Grundursachen von Krankheiten und stellt die gesunde Funktion durch eine personalisierte Patientenerfahrung wieder her.”

Definition auf der Seite des Begründers www.ifm.org/functional-medicine/ 

Ihr Ziel ist im Grunde die Konsolidierung der Medizin zu einer einheitlichen Systematik, die den individuellen Bedürfnissen von Patienten besser gerecht wird:

“Neue Grenzen in der Gesundheitsfürsorge werden also nicht nur dann erreicht, wenn neue Entdeckungen gemacht werden, sondern auch, wenn die Integration dieser Entdeckungen in ein kohärentes, vielschichtiges, einheitliches Gesundheitsfürsorgemodell den Weg für ein genaueres Verständnis und wirksamere Interventionen bereitet.”

Alex Vasquez, The Textbook of Functional Medicine, 2005, Kapitel: Web-like Interconnections of Physiological Factors, S. 36

Während wir natürlich das Ziel systematisch und ursächlich sowie individuell zu behandeln sehr begrüßen, stellt sich natürlich die Frage, ob die Funktionelle Medizin ihrem eigenen Anspruch gerecht wird. Wir untersuchen also wieder, in wiefern die Funktionelle Medizin Systemteile getrennt betrachtet, Rückkopplungen missachtet, Regelkreise ausschaltet und zudem die daraufhin auftretenden Probleme aufgrund eines zu kurzen Planungshorizontes missachtet.
Das obige Zitat legt bereits nache, dass die Funktionelle Medizin einzelne Teilsysteme gerade nicht voneinander getrennt betrachtet. Das folgende Zitat untermauert diese Tatsache noch einmal:

“Um die wissenschaftliche Grundlage und die klinischen Anwendungen der funktionellen Medizin und eines „ganzheitlichen“ Ansatzes in der Gesundheitsfürsorge zu verstehen, müssen Kliniker die Verflechtung der Funktion von Organsystemen mit biochemischen und physiologischen Prozessen vollständig verstehen. Vereinfachte Modelle von Gesundheit und Krankheit, die vor Jahrzehnten entwickelt wurden, sind möglicherweise nicht mehr zutreffend oder klinisch nützlich, da sie die in jüngerer Zeit entdeckten komplexen und vielschichtigen Zusammenhänge nicht widerspiegeln. (Abbildung 10.2 verwendet die Matrix der funktionellen Medizin, um einen Teil dieser Komplexität darzustellen). Zahlreiche Mechanismen vermitteln diese Zusammenhänge, einschließlich, aber nicht beschränkt auf solche, die als biochemisch, hormonell, neurologisch, immunologisch, piezoelektrisch und physikalisch oder mechanisch beschrieben werden können. Letztendlich sind wir gezwungen, die künstlichen intellektuellen Grenzen, die wir zwischen den Organsystemen geschaffen haben, aufzulösen und unser Verständnis für die einzelnen Moleküle, die zellulären Botenstoffe und die physiologischen Mechanismen, die die interzelluläre Kommunikation vermitteln und die interorganische Funktion koordinieren, zu erweitern.”

Alex Vasquez, The Textbook of Functional Medicine, 2005, Kapitel: Web-like Interconnections of Physiological Factors, S. 32

Indem angeführt wird, dass Kliniker die Verflechtung der Funktion von Organsystemen mit biochemischen und physiologischen Prozessen vollständig verstehen müssten, wird klar, dass die Beteiligung von Regelkreisen innerhalb der Funktion des Organismus bekannt sind. Im  gleichen Textbuch werden wenig später auch die Wechselwirkungen von z.B. Verdauungstrakt und Leber oder Verdauunstrakt und Immunsystem besprochen. Sehr ausführlich wird dort auch das Geschehen innerhalb einzelner Organsysteme besprochen, z.B. die Wirkung von Endotoxinen aus dem Darm auf die Enzymtätigkeit von Cytochrom P450 in der Leber (Entgiftung).

Die Frage ist, ob ein solches Wissen auf Organebene reicht, um Rückkopplungen vollständig zu erkennen. Dazu muss man sich zunächst einmal klar machen, dass die Organebene aus der Sicht des Gesamtorganismus hierarchisch gesehen die regionale Ebene bedeutet. Von einer globalen Steuerebene ist jedoch nirgends die Rede.

Untermauert wird die Gleichstellung von allen Organsystemen nebeneinander im folgenden Bild, welches im Zitat oben erwähnt wird:

Indem in der Funktionellen Medizin alle Organe gleichwertig nebeneinander stehen, wird der hierarchische Aufbau des offenen komplexen Systems als das wichtigste Merkmal der Allostasefähigkeit verkannt.

Denn es reicht nicht zu erkennen, dass es Verbindungen zwischen einzelnen Organsystemen gibt, wenn man nicht genau sagen kann wie genau diese Verbindungen sich in Bezug auf den Gesamtorganismus auswirken. Dabei gehört diese Vorgehensweise zu den typischen Fehlern im Umgang mit offenen komplexen Systemen:

Die “Vermengung unterschiedlicher Systemebenen (übergeordnete mit Subsystemen) und damit nicht vergleichbarer Aggregationsstufen bei der Datenerfassung [Anm: Daten haben verschiedene Wertigkeiten in Bezug auf ihre Rolle im System]. Sie führt unweigerlich zur Informationsflut. Eine Reduktion auf die wesentlichen Ordnungsparameter bleibt aus – aus Angst vor Unvollständigkeit. Eine vollständige Erfassung aller Einzelfaktoren ist aber Utopie und nur bei geschlossenen Systemen denkbar. Unten dem Eindruck der  sich daraus ergebenden Datenschwemme werden dann oft die realen Dimensionen der Vernetzung (direkt, indirekt, Rückwirkungen ,Zeitverzögerung) übersehen, obwohl gerade ihre Berücksichtigung die Datenmenge reduzieren würde. … Für die Erfassung des Systems ist dies die falsche wissenschaftliche Methode, die auch dadurch nicht „richtiger“ wird, dass man sie mit besonderer Akribie betreibt. Die Funktion der Systemkomponenten – ihre „Rolle“ …– wird auf diese Weise nicht bekannt. Um die Wirklichkeit als Ganzes zu erfassen, genügt es nicht, nur die Details aufzunehmen. So erfahren wir zwar sehr viel über diese Details, aber nichts über das System als solches. Wir müssen die Details auch miteinander verbinden – …”

Frederic Vester, Die Kunst, vernetzt zu denken, 2001, S. 55

Wie im nachfolgenden Zitat in Bezug auf die Gleichwertigkeit von Organsystemen nachvollzogen werden kann, sieht die Funktionelle Medizin z.B. die Ursache des Autismus in einer Vielzahl von Störungen in verschiedenen Organsystemen:

“Wir wissen heute, dass Autismus eine vielschichtige Störung ist, die mit Magen-Darm-Entzündungen, Ernährungsmängeln, zahlreichen Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten, Beeinträchtigungen der Leberentgiftung und der daraus resultierenden Anhäufung von Fremdstoffen einhergeht, von denen die meisten neurotoxische und/oder immunotoxische Wirkungen haben. Autismus ist also nicht per se eine Verhaltensstörung, sondern eine gastrointestinale, allergische, immunologische, toxische, ernährungsbedingte und umweltbedingte Störung, und die Verhaltensauffälligkeiten und kognitiven Störungen sind Symptome der zugrunde liegenden komplexen und miteinander verbundenen Pathophysiologie.”

Alex Vasquez, The Textbook of Functional Medicine, 2005, Kapitel: Web-like Interconnections of Physiological Factors, S. 33

Dabei ist zwar nicht falsch, dass alle diese Faktoren bei Autismus vorliegen, wenn aber das Gehirn für die Selbstregulation ausschlaggebend ist, muss auch im Autismus eine wesentliche neurologische Komponente erkannt werden, wobei wir mit dem Autor des Zitats übereinstimmen, dass die Verhaltensauffälligkeiten des Autismus lediglich ein Symptom sind.

Diese “egalitäre” Betrachtungsweise zeigt sich auch in der typischen Behandlungsweise der Funktionellen Medizin, die sehr viele Labortests anfertigen lässt und entsprechend viele verschiedene Phänomene behandelt. Bei dem obigen Beispiel des Autismus würden  also der Verdauungstrakt, die Leber und das Immunsystem gleichzeitig behandelt werden, in der Hoffnung, dass das System als ganzes sich daraufhin von alleine reguliert.

Dass dies nicht der Fall ist, zeigt alleine die Angewohnheit der Funktionellen Medzin mit Substitution zu arbeiten: von dem Ersatz für Magensäure, über Verdauungsenzyme bis zum naturidentischen Hormon, wird alles das von außen substituiert, was dem Körper fehlt. Die möglichen Probleme einer Substitution wurden bereits bei der Schulmedizin besprochen.

Es zeigt sich im Grunde, dass die Funktionelle Medizin den Organismus als offenes komplexes System fast genausowenig wenig verstanden hat wie die  Schulmedizin:

“Reparaturen, die die vorliegenden Wechselwirkungen meist noch weniger berücksichtigen als der ursprüngliche Eingriff selbst, sind nicht nur kostspielig (Prinzip „Intensivstation“!), sondern ziehen oft auch weitere Folgeschäden und Abhängigeren nach sich: Die negativen Rückwirkungen werden verstärkt und einer sehr viel sinnvolleren Prophylaxe die Mittel entzogen. … Anders als bei einer Maschine, bei der man einen Missstand, etwa einen gebrochen Bolzen, an Ort und Stelle beseitigen kann, führt diese Ersatzteilmentalität bei einem offenen komplexen System nur zu weiteren Folgerepaturen und ähnlich wie eine Symptombehandlung in der Medizin zu einem Abbau der Selbstregulation. Und das kann bedeuten: galoppierender Aufwand bis zum Zusammenbruch.

Ein sinnvolles Systemmanagement wird daher nicht versuchen, einen Schaden nach dem anderen dort, wo er gerade auftaucht, zu reparieren und damit den Ereignissen ständig hinterherzuhinken, sondern durch eine systemorientierte Planung und Steuerung die Weichen für eine andere Konstellation des Systems zu stellen, in der solche Schäden weniger Chancen haben aufzutreten.”

Frederic Vetter, Die Kunst, vernetzt zu denken, 2001, S. 62

Mit anderen Worten: die Funktionelle Medizin gibt zwar vor das System als ganzes zu behandeln, erkennen tut sie aber lediglich die regionale Organebene und behandeln tut sie am Ende wieder nur Symptome.

Die eingesetzten Mittel mögen zwar naturidentischer als schulmedizinische Chemie sein, indem naturidentische statt künstliche Hormone oder Beta HCL statt Lefax und Buscopan eingesetzt werden, doch das Prinzip ist das gleiche.

Klassische naturheilkundliche Interventionen wie die klassische Homöopathie oder die Akupunktur sind kein Teil der Funktionellen Medizin, obwohl sie natürlich manchmal von Anwendern zusätzlich angewendet werden. Im Grunde reduziert die Funktionelle Medizin ihre Anwendungen fast ausschließlich auf den orthomolekularen Bereich (Mikronährstoffe), deren Notwendigkeit durch sehr viele spezielle Labortestungen ermittelt werden. Hier ergibt sich auch eine Verwandschaft zum Biohacking, wo der Bezug zum eigenen Körper oder zum Körper des Patienten zugunsten von maschinellen Auswertungen der Vorrang gegeben wird.

Zwar arbeiten auch wir mit Mikronährstoffen. Die Frage ist allerdings, ob diese nach dem “Gießkannenprinzip” in den Körper geschüttet werden, um möglichst alle Labortestergebnisse abzudecken, oder ob diese strategisch eingesetzt werden.

Strategisch heißt in diesem Fall einerseits, dass Nährstoff zur Steigerung der Energie direkt (nicht als mittelbare und zufällige Nebenwirkung) eingesetzt werden.

Andererseits muss zwischen Nährstoffen unterschieden werden, die den Körper akut entlasten und solchen, die den Körper in die Lage bringen sich alsbald selbst zu regulieren um sich danach entbehrlich zu machen. Ganz grob kann man also sagen, dass therapeutische Maßnahmen die kybernetischen Fähigkeiten des Körpers in Richtung Allostasefähigkeit verschieben und daraufhin entbehrlich werden, während Entlastungsmaßnahmen den Körper von außen regulieren und nicht abgesetzt werden können, ohne dass der Körper in seinen vorherigen suboptimalen Zustand zurück fällt. Therapeutische Maßnahmen sind also nicht nur Hilfe zur Selbsthilfe, während Entlastungsmaßnahmen nur Hilfe sind.

Echte therapeutische Maßnahmen erweitern auch die Möglichkeiten des Systems, indem  sie den Körper dabei unterstützen seine Sollwerte von der Homöostasefähigkeit zur Allostasefähigkeit hin zu verschieben, sodass der Körper sich im Sinne optimaler Sollwerte selbst regulieren kann:

“Das Allostasemodell stellt die niedrig-schwellig arbeitende Pharmakotherapie der „System“-Therapie, die auf einem höheren Niveau arbeitet, gegenüber. Bei der Pharmakotherapie wird in der Regel versucht, einen bestimmten Parameter zu korrigieren. Ein Medikament blockiert einen Teil des Kreislaufs, um den Parameter wieder in den Standardbereich zu zwingen. Da das Medikament aber die Vorhersage [Anm: im Sinne der Reaktion des Gehirns] nicht ändert, rechnet der Regelkreislauf immer noch mit einem hohen Bedarf [Anm: der vorher durch den Regelkreislauf produzierten Substanz, z.B. eines “unerwünschten” Hormons] und verwendet seine verbleibenden Komponenten [z.B. das Prohormon Pregnenolon als Baustoff], um diesen auszugleichen. Das erfordert ein weiteres Medikament, um eine andere Komponente zu blockieren [z.B die Umwandlung von Pregnenolon in Kortisol], was eine weitere Kompensation auslöst, und so weiter. Je mehr ein Schaltkreis blockiert wird, desto instabiler wird er, und die Reaktionsfähigkeit sinkt. Außerdem blockiert jedes Medikament andere Schaltkreise, die dieselben Rezeptoren wie der Zielschaltkreis haben und daher ebenfalls auf das Medikament ansprechen. Die Systemtherapie versucht, diese Vorhersage [Anm: den Irrtum des Gehirns in Bezug auf den Sollwert] zu ändern. Das Ziel besteht darin, die Nachfrage so lange zu reduzieren, bis das System die neue Vorhersage „glaubt“ und sich neu anpasst [Anm: den optimalen Sollwert erlernt hat]. Während die Reaktionen des Organismus wieder in Richtung des ursprünglichen Mittelwerts driften [Anm: sich Werte normalisieren], wird der Reaktionsbereich beibehalten. Auch Schaltkreise, die dieselben Rezeptoren wie der Zielschaltkreis nutzen, können davon profitieren. Dies ist ein „Nebeneffekt“ der Systemtherapie – und zwar ein guter.”

Peter Sterling, What is Health?, 2020, S. 210-211

Fazit:

Die Funktionelle Medizin gibt vor, ganzheitlich und damit integral zu denken. Tatsächlich bewegt sie sich auf der Organebene, dem mittleren Management, weil sie die eigentliche Steuerebene des Körpers, das Nervensystem verkennt. Im Gegensatz zur Schulmedizin berücksichtigt die Funktionelle Medizin im viel stärkeren Maß Wechselwirkungen zwischen Organsystemen als die Schulmedizin. Eine kybernetisch sinnvolle und damit integrale Methode ist die Funktionelle Medizin vom Ansatz her jedoch nicht. Sie missachtet außerdem weiterhin ebenso die Folgen blockierter Regelkreisläufe.

Hinzu kommt, dass die Funktionelle Medizin ihrem eigenen Anspruch auch in der Behandlung nicht gerecht wird, indem sie genauso wie die Schulmedizin weiterhing Symptome behandelt. Man könnte zwar sagen, dass sie dies etwas ganzheitlicher als die Schulmedizin betreibt, indem sie möglichst viele Symptome gleichzeitig und vor alle solche, die durch Organverbindungen in einem inneren Zusammenhang stehen, anpeilt. Allerdings hat dies nichts mit dem kybernetischen Ansatz gemein, an entscheidenden Schalthebel zu intervenieren, damit das System lernt sich durch die Etablierung optimaler Sollwerte (Allostasefähigkeit) selbst zu regulieren.

Insgesamt öffnet sich die Funktionelle Medizin zwar der Idee der Vernetzungen innerhalb des Körpers, was natürlich aus Sicht der Kybernetik als positiv zu bewerten ist. Gleichzeitig lässt sich die Funktionelle Medizin nicht als kybernetische Methode einordnen, die den Organismus als offenes komplexes System respektiert. Und eine kybernetisch informierte Behandlungsmethode kann sie ebenfalls nicht anbieten.

 

Klassische Naturheilkunde

Gibt irgendwie Verbindungen, wie genau ist selten bekannt. Noch weniger als Funktionelle Medizin, die wenigstens oft konkrete Wechselwirkungen zwischen Organen benennen kann. Dafür natürlichere Behandlung. Allerdings auch Naturheilkunde Nebenwirkungen und Unterdrückungen, weniger AK.

Homöopathie: Hahnemann hat nach einer Systematik gesucht und scheinbar eine gefunden..

TCM Ausnahme?

Die integralen Hebelansätze der biologischen Heilkybernetik bei der Behandlung von Erkrankungen

Vorherige Modelle gute Bemühungen, die im Kontext der Zeit gesehen werden müsen, Aufklärung Reaktion auf magisches Denken, dennoch reicht die Mühe nicht, Methoden müssen objektiv nach Ergebnissen beurteilt werden. NHK besser als Schulmedizin, aber nicht konsequent besser, Ergebnisse können verbessert werden, bleiben gerne auch aus. 

NHK im kybernetischen Kontext erhöht die Erfolgschancen, weil Verläufe und Probleme vorhergesehen und Behandlungen anhand konkreter Stellschwerte im System korrigiert werden können, Zitat Design in Nature, nicht nur im Nachhinein bestätigt. 

“Reparaturen, die die vorliegenden Wechselwirkungen meist noch Weniger berücksichtigen als der ursprüngliche Eingriff selbst, sind nicht nur kostspielig (Prinzip „Intensivstation“!), sondern ziehen oft auch weitere Folgeschäden und Abhängigeren nach sich: Die negativen Rückwirkungen werden verstärkt und einer sehr viel sinnvolleren Prophylaxe die Mittel entzogen. … Anders als bei einer Maschine, bei der man einen Missstand, etwa einen gebrochen Bolzen, an Ort und Stelle beseitigen kann, führt diese Ersatzteilmentalität bei einem offenen komplexen System nur zu weiteren Folgerepaturen und ähnlich wie eine Symptombehandlung in der Medizin zu einem Abbau der Selbstregulation. Und das kann bedeuten: galoppierender Aufwand bis zum Zusammenbruch.

 

Ein sinnvolles Systemmanagement wird daher nicht versuchen, einen Schaden nach dem anderen dort, wo er gerade auftaucht, zu reparieren und damit den Ereignissen ständig hinterherzuhinken, sondern durch eine systemorientierte Planung und Steuerung die Weichen für eine andere Konstellation des Systems zu stellen, in der solche Schäden weniger Chancen haben aufzutreten.”

Frederic Vetter, Die Kunst, vernetzt zu denken, 2001, S. 62

Wir setzen also nicht auf jedes Symptom Behandlungsmaßnahmen an und behandeln nicht immer das Symptom, was den Patienten am meisten stört.

Stattdessen setzen wir an strategischen Hebeln für die Funktion des Organismus als Ganzes an.

Die Gründe für die Auswahl der folgenden Hebel bei der Behandlung chronischer Erkrankungen haben wir bereits hier beschrieben und wissenschaftlich untermauert.

1. Behandlung von Energiemängeln

Behandlung von Mitochondriopathien
Mittelbare Regulation des Hormonsystems
Mittelbare Regulation des Immunsystems

2. Behandlung von iatrogenen Störungen und Umweltbelastungen

Ausleitung von Toxinen
Beseitigung von Arzneikrankheiten

3. Behandlung des Nervensystems

Wiederherstellung der ursprünglichen Homöostase Fähigkeit
Entwicklung einer bislang noch nicht vorhandenen Allostase Fähigkeit

Bilder: wenn nicht weiter gekennzeichnet eigenes Werk/Canva; Fließgleichgewicht: eigenes Werk+Indoor-Fanatiker, Wikipedia; Biologische Toleranzkurve: Eigenes Werk+ Geo-Science-International, Wikipedia; Wandlungsphasen TCM: Johannes Sense, Wikipedia, Schilddrüsenkreislauf: Amin Kübelbeck, Wikipedia.

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