Die Systematik hinter der Behandlung

Hinter unserer Behandlung steckt eine Systematik, die den Körper als offenes komplexes System anerkennt

Denn: Wer sein Ziel nicht kennt, der kommt nicht an

Die meisten Menschen, die chronische Symptome oder eine chronische Erkrankung haben, machen sich nicht klar, dass sie Gesundheit wahrscheinlich nicht erreichen werden, solange ihr Ziel die Symptomfreiheit ist.

Das klingt vielleicht merkwürdig, aber tatsächlich ist in der Schulmedizin, der Funktionellen Medizin und leider auch in der Naturheilkunde eine wirkliche Heilung kein Ziel, sondern allenfalls eine zufällige Nebenwirkung. Erst recht gilt dies natürlich für das Bio-Hacking. Wichtig ist bei diesen Heilmodalitäten lediglich die Symptomfreiheit als Beweis für eine erfolgreiche Intervention. Ob Symptome tatsächlich dauerhaft weg bleiben, ob es zu Symptomverschiebungen, sonstigen Nebenwirkungen oder gar durch die Behandlung induzierte Blockaden kommt, ist selten Fokus der Überlegungen. Und selbst wenn über diese Faktoren nachgedacht wird, bleiben oft die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück.

Wer also wirklich heilen möchte, der sollte zunächchst einmal folgende drei Faktoren definieren, nämlich:

  • Krankheit (das Problem)
  • Gesundheit (das Ziel)
  • Heilung – den Prozess oder Weg, der zwischen Krankheit und Gesundheit gegangen werden muss (die Ursache, die eine Behandlung beseitigen sollte)

Denn selbst, wer sein Ziel kennt, der kommt nicht an, solange Startpunkt (die Krankheit) und der Weg (der Prozess) nicht bekannt sind. Aus diesem Grund kommt jeder, der erfolgreich heilen oder behandeln möchte, an diesen drei Größen nicht vorbei.

Die Krankheit

Am einfachsten scheint eine Definition für Krankheit zu sein. Während die von Symptomen Betroffenen in der Regel keine großen Schwierigkeiten haben sich mittels ihrer Symptomatik als krank zu bezeichnen, sieht zumindest die Schulmedizin das ganz anders. Krank ist nur derjenige, der im ICD 10 Katalog aufgeführte Symptome hat. Und selbst dort aufgeführte Symptome gelten manchmal als Befindlichkeitsstörung, z.B. Menstruationsbeschwerden bei Frauen oder gelegentliche Kopf- oder Bauchschmerzen. Außerdem tendiert die Schulmedizin dazu Krankheit mit messbaren organischen Schäden gleichzusetzen. Somit werden funktionelle Beschwerden wie in etwa die Nebennierenerschöpfung nicht anerkannt. Insofern ist bereits die Definition von Krankheit nicht ganz einfach.

Wir werden im Laufe dieses Artikels aber eine Definition von Krankheit liefern können, nachdem wir hergeleitet haben, was Gesundheit ist.

Die Gesundheit

Die WHO definierte 1948 Gesundheit wie folgt:

“Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung.

Nach diesem Gesundheitsbegriff wären bereits Menstruationsbeschwerden und funktionelle Beschwerden Krankheiten. Doch leider erklärt der Maßstab des subjektiven Wohlbefindens nicht, wie Psychopathen und Krebskranke, die noch keine Symptome entwickelt haben, dennoch als krank gelten können, solange sie sich mit ihrem Zustand wohl fühlen. Das subjektive Wohlbefinden stellt sicherlich den einzigen Maßstab für eine Behandlung dar. Sonst befänden wir uns ja in einem totalitären System. In einem demokratischen System kann höchstens die Isolation unter engen, verfassungsrechtlich beschränkten Regelungen zulässig sein, wenn ein nachgewiesen kranker Mensch die Behandlung verweigert und darüber hinaus andere nachgewiesen über das allgemeine Lebensrisiko hinaus gefährdet.

Bei einer Definition des Gesundheitsbegriffs muss es selbstverständlich Maßstäbe geben. Problematisch ist bei der Definition der WHO bloß die Subjektivität des Begriffs. Denn die menschliche Natur funktioniert grundsätzlich nach einheitlichen, naturwissenschaftlichen Kriterien. Subjektive Unterschiede ergeben sich ausschließlich aus der Fähigkeit des menschlichen Organismus sich zwischen Gesundheit und Krankheit auf einem Spektrum zu bewegen. Dieses Spektrum wiederum ist für alle Menschen gleich. Wenn Menschen sich den Magen verderben, entwickeln sie nur eine begrenzte Anzahl an spezifischen Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen. Ein verdorbener Magen führt hingegen per Definition klinisch niemals ausschließlich und unmittelbar zur Ausbildung von Tumoren, eiternden Zehnägeln oder Halluzinationen. Dies können natürlich Folgen einer Magenverstimmung sein, definieren sie jedoch klinisch nicht. Die Tatsache, dass es bei einem verdorbenen Magen zu spezifischen Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen kommt, ist auf die menschliche Anatomie und Physiologie zurück zu führen.

Anatomie (Struktur) und Physiologie (Funktion) sind als Oberbegriff der größte gemeinsame Nenner innerhalb jeder in der physischen Materie bestehenden Form. Dabei geht es bei der Anatomie um Bau, Lage und Beschaffenheit menschlicher Organe. Die Physiologie beschreibt das Zusammenwirken aller physikalischen, chemischen und biochemischen Vorgänge im gesamten Organismus. Insofern beschreiben Anatomie und Physiologie objektiv, wie gesunde Menschen funktionieren.  

Man sollte also davon ausgehen, dass alle Heilkundler, ob Schulmediziner oder Naturheilkundler, hinreichend mit der menschlichen Anatomie und Physiologie vertraut sind. Doch leider ist dies nicht zwingend der Fall, sondern eher die Ausnahme. Der Arzt Dr. Gerd Reuther schreibt dazu:

“Es erscheint uns selbstverständlich, dass man kranke Menschen nur behandeln sollte, wenn Anatomie und Funktion im gesunden Zustand bekannt sind. Ärzte und Heiler fischten allerdings die längste Zeit im Trüben. Es lag nicht nur daran, dass das notwendige Wissen jenseits der Möglichkeiten der Zeit lag. Nein, Behandler wollten es gar nicht so genau wissen. Schon im antiken Griechenland hätte man aus der Erfahrung von Tierschlachtungen, Kriegsverletzungen und Obduktionen die grundsätzliche Anatomie und Physiologie klären können. Aber die gelehrte Medizin bevorzugte das spekulative Denkgebäude der Säftelehre und verdrängte selbst offensichtlichste Gegebenheiten der menschlichen Anatomie. Ebenso anatomie- und physiologiefrei agierten Schamanen und naturkundliche Heiler. Erfahrung und Psychologie reichen in dieser Branche bis zum heutigen Tag, obwohl inzwischen Basiswissen von Körperaufbau und -funktion für eine Zulassung nachgewiesen werden muss. Im Gegensatz zur Chirurgie kam man im nichtinvasiven Heilungsgeschäft lange ohne jedes Wissen über die »Hardware« seines Therapieobjekts aus.”

Dr. med. Gerd Reuther, Heilung Nebensache, Riva, S. 228, Hervorhebungen durch die Verfasserin dieses Artikels

Der Prozess, der von der Krankheit zur Gesundheit führt

Allerdings reichen Kenntnisse der Anatomie und Physiologie alleine leider auch nicht aus, um einen gesunden Organismus wirklich zu verstehen. Denn Struktur und Funktion stehen nicht getrennt voneinander da. Sie sind miteinander vernetzt. Ohne diese Vernetzung zu berücksichtigen, kann der Prozess als Weg von der Krankheit zur Gesundheit nicht effektiv oder in den meisten Fällen chronischer Erkrankungen überhaupt nicht erfolgreich beschritten werden. Diese Vernetzung kann mit der Infrastruktur von Unternehmen oder menschlichen Gemeinschaften verglichen werden:

Denn ohne Infrastruktur, ist jede Struktur am Ende nutzlos, weil vorhandene Strukturen ihre zugedachte Funktion nicht ausüben können. Häuser, Krankenhäuser, Parks und Kinos sind nichts weiter als Gebäude, solange Menschen zu ihnen durch Transport- und Kommunikationswege keinen Zugang haben. Gebäude können langfristig nicht benutzt werden, wenn der Unterhalt durch Strom und Wasser nicht gewährleistet wird, zumindest jedoch der Abtransport von Müll und Abwasser.

Auch menschliche Funktionen (Physiologie) können zumindest nicht vollumfänglich ausgeführt werden, wenn vorhandene anatomische Strukturen (Anatomie) miteinander nicht koordiert werden.

Es folgt seinen eigenen Regeln und stellt ein Wissensgebiet für sich dar: die Kybernetik – die Lehre von Systemen. Dieses Bindeglied zwischen Anatomie und Physiologie ist der Medizin seit Jahrzehnten hinreichend bekannt, wie folgendes Zitat aus einer der weltweit renommiertesten medizinischen Publikationen belegt: 

“Gut durchdachte Veränderungen in lebenden Systemen sind eine gefährliche Angelegenheit. Das Reparieren eines Teils auf der einen Seite kann auf der anderen Seite zu neuen und schlimmeren pathologischen Ereignissen führen, die meilenweit entfernt sind. Am gefährlichsten ist es, etwas zu tun, ohne zu erkennen, dass ein System existiert…”

Lewis Thomas, The Fragile Species, New England Journal of Medicine, S. 82

Wie das Zitat davor jedoch belegt, gilt die Kybernetik selbst bei Medizinern, die von der Wichtigkeit des Studium der Anatomie und Physiologie überzeugt sind, als entbehrlich. Die Kybernetik steht demnach weder fest auf den Lehrplänen medizinischer Fakultäten, noch von Heilpraktikerschulen, die sich in der Regel rühmen Heilwissen ganzheitlich zu vermitteln. Die Kybernetik existiert zwar im wissenschaftlichen Paradigma allgemein, in den Köpfen der anwendenden Therapeuten jedoch nicht. Wäre dem nicht so, sähe die Medizin insgesamt völlig anders aus, wie sich im Laufe dieses Artikels noch ergeben wird. 

Wir halten also zunächst fest, dass Anatomie, Physiologie und Kybernetik Gesundheit definieren. Erst Kenntnisse über das Zusammenspiel dieser drei Fachgebiete erlauben ein korrektes Abbild des menschlichen Organismus und damit auch der Gesundheit. Jeder Therapeut, der also seinen Patienten zur wirklichen Heilung verhelfen möchte, muss sich demnach in Anatomie, Physiologie und Kybernetik auskennen.

Damit unsere anschließende Definition des Gesundheitsbegriffs verständlich wird, wollen wir zunächst näher auf die Kybernetik eingehen, da deren Existenz den meisten Menschen völlig unbekannt ist.

Das offene komplexe System

Der menschliche Organismus ist nicht nur ein System, sondern ein offenes komplexes System. Dieses unterscheidet sich vom einfachen System dadurch, dass es im ständigen Austausch mit der Umwelt steht. Vorteil dieser Offenheit ist die Anpassungsfähigkeit an die Umwelt, Nachteil die Möglichkeit des Energieverlusts an die Umwelt:

Die Kybernetik beschreibt somit bei einfachen und offenen komplexen Systemen nicht nur das Verhältnis oder die Beziehung aller Systemteile, also aller Organsysteme, zueinander. Sie geht davon aus, dass diese Beziehungen auch Ausdruck einer sinnvollen Ordnung sind. Daher drückt sich die Kybernetik auch in jeder Infrastruktur aus.

Diese Ordnung verfolgt im Grunde nur einen Zweck: das System zu erhalten und, wenn möglich, zu erweitern, damit es sich in Zukunft auch noch optimal erhalten kann. Systeme können nur erhalten werden, wenn die Versorgung dauerhaft gewährleistet wird. Das gilt selbstverständlich auch für den menschlichen Organismus:

“Leben ist Bewegung und die ständige Veränderung des Designs dieser Bewegung. Lebendig zu sein bedeutet, ständig zu fließen und sich zu wandeln. Wenn ein System aufhört zu fließen und sich zu wandeln, ist es tot. …Biologische Lebewesen sind so lange lebendig, bis alle ihre Ströme (Blut, Sauerstoff, Fortbewegung usw.) aufhören, dann werden auch sie zu versteinerten Fossilien.”

Adrian Bejan, Design in Nature, 2012, S.6

Das System bewegt, während Ressourcen bewegt werden. Die rudimentärste Ressource, die bewegt wird, ist dabei Energie, die gleichzeitig dafür sorgt, dass das System am Leben bleibt:

“Organismen werden durch ihren Stoffwechsel aufrechterhalten: die Aufnahme, Umwandlung und Abgabe von Energie. Ihre Lebensfähigkeit hängt davon ab, wie diese Stoffwechselenergie für Überleben, Wachstum und Fortpflanzung genutzt wird.”

Burger et al., Toward a metabolic theory of life history, 2019

Dabei gilt:

“Im Kampf ums Dasein müssen die Organismen im Vorteil sein, deren Energieaufnahmevorrichtungen die verfügbaren Energien am effizientesten in Kanäle lenken, die für die Erhaltung der Art günstig sind.”
Lotka, Elements of physical biology, 1926

Wir halten also fest, dass lebende Organismen keine Energie herstellen können. Sie sind darauf angewiesen Energie zu ernten, zu verwandeln, effektiv zu verteilen und zu speichern. Um diesen Prozess möglich effizient zu gewährleisten, haben offene komplexe Systeme wie der menschliche Organismus bestimmte Eigenschaften. Dazu zählen:

  • Nicht Linearität: Mangelnde Proportionalität zwischen Eingangssignal und Ausgangssignal 
  • Emergenz: Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines  Systems durch ein Zusammenspiel aller Elemente (die Summe ist mehr als die Teile) 
  • Anpassungsfähigkeit an die Umwelt: Das System ist dazu in der Lage sich selbst zu verändern, um sich der Umwelt besser anzupassen
  • Geschichtliche Vergangenheit und anfängliche Prägung: Ereignisse der Vergangenheit bestimmen Reaktionen der Zukunft
  • Rückkopplungsschleifen: Mechanismen bei denen ein Teil der Ausgangsgröße direkt oder in modifizierter Form auf den Eingang des Systems zurückgeführt wird
  • Selbstorganisation: Entstehung einer Form der allgemeinen Ordnung aus lokalen Wechselwirkungen zwischen Teilen eines ursprünglich ungeordneten Systems. Sie läuft spontan ab, wenn ausreichend Energie zur Verfügung steht und bedarf dann keiner Kontrolle durch einen externen Akteur mehr. Ausgelöst wird sie durch scheinbar zufällige Fluktuationen, die durch positive Rückkopplung verstärkt werden. Die daraus resultierende Organisation ist völlig dezentralisiert und über alle Komponenten des Systems verteilt. Durch diese Aufgabenteilung unter gleichzeitiger Wahrung hierarchischer Strukturen ist das System stabil und in der Lage erhebliche Störungen zu überleben oder sich selbst zu reparieren.
  • Schwellenwerte: Minimaler Wert einer Größe, der zu einer erkennbaren Veränderung ausreicht
  • Umkippeffekte: Schwellenwerte, die zur Destabilisierung des Systems führen

Eine weitere Eigenschaft offener komplexer Systeme, die eng an die Fähigkeit zur Selbstorganisation gekoppelt ist, ist die hierarchische Ordnung innerhalb des Systems:

“Alle biologischen Systeme bestehen aus Subsystemen verschiedener Ordnungen und sind Teil von Suprasystemen höherer Ordnung. Die Hierarchie eines gegebenen biologischen Systems besteht wiederum aus Teilsystemen verschiedener Ordnungen, je nach der physikalischen Skala des spezifischen Systems. So besteht beispielsweise das System „Mensch“ aus Subsystemen erster Ordnung, wie dem endokrinen System, dem Nervensystem, dem Kreislaufsystem, dem Atmungssystem, dem Verdauungssystem, dem renalen Ausscheidungssystem, dem Wärmesystem, dem sensorischen System, dem motorischen System, usw. Diese Subsysteme werden ihrerseits von Subsystemen zweiter Ordnung gebildet: den Organen und Geweben, die wiederum von Subsystemen dritter Ordnung gebildet werden: den Zellen.”

Hierarchical structure of biological systems–A bioengineering approach, Alcocer-Cuarón et al. 2013

Die Hierarchie in offenen komplexen Systemen zeigt sich dabei immer im Muster eines Fließsystems, ob es sich dabei um die Wurzeln oder Blätterkrone eines Baumes handelt, um ein Flussdelta oder die vielen Kreisläufe des menschlichen Systems, z.B. der Blutkreislauf oder die Lungenalveolen. Denn es hat sich herausgestellt, dass diese Struktur den Ressourcen- und Energiefluss innerhalb eines Systems am besten gewährleistet:

“Fließsysteme haben zwei grundlegende Merkmale (Eigenschaften). Es gibt den Strom, der fließt (z. B. Flüssigkeit, Wärme, Masse oder Information), und die Konstruktion, durch die er fließt. Ein Blitz zum Beispiel ist ein Flusssystem für die Entladung von Elektrizität aus einer Wolke. In einem Blitz entsteht eine brillante verzweigte Struktur, da dies eine sehr effiziente Art ist, einen Strom (Elektrizität) von einem Volumen (der Wolke) zu einem Punkt (dem Kirchturm oder einer anderen Wolke) zu leiten. Die Entwicklung eines Flussbeckens erzeugt eine ähnliche Architektur, denn auch hier wird ein Strom (Wasser) von einem Gebiet (der Ebene) zu einem Punkt (der Flussmündung) bewegt. Eine baumartige Struktur finden wir auch in den Atemwegen der Lunge (ein Flusssystem für Sauerstoff), in den Kapillaren (ein Flusssystem für Blut) und in den Dendriten der Neuronen in unserem Gehirn (ein Flusssystem für elektrische Signale und Bilder). Dieses baumartige Muster findet sich überall in der Natur, weil es ein effektives Design zur Erleichterung von Punkt-zu-Bereich- und Bereich-zu-Punkt-Flüssen ist. In der Tat findet man überall dort, wo man solche Flüsse findet, eine baumartige Struktur.”

Adrian Bejan, Design in Nature, 2012, S.3-4

Die kybernetische Organisation des menschlichen Organismus

Die Frage stellt sich nun, wie genau sich die kybernetische Organisation im menschlichen Organismus darstellt. Dass dabei das Nervensystem an der Spitze der Organisationshierarchie steht, versteht sich eigentlich von selbst, denn:

“Die Funktion des Nervensystems besteht darin, die Umwelt wahrzunehmen und das Verhalten aller anderen Zellen in der riesigen zellulären Gemeinschaft zu koordinieren.”

Dr. Bruce Lipton, The Biology of Belief, 2005, S. 10

“Das zentrale Nervensystem kann als eine Organisation verstanden werden, deren Ebenen sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben. In dieser Organisation nehmen die Gehirnhälften die höchste Ebene eines hierarchischen, offenen Systems ein, in dem die Funktion des Gehirns darin besteht, Beziehungen zwischen Objekten in der Umgebung herzustellen.”

Abstract: The Physics of the Mind and Brain Disorders, Casanova et al., 2017, S. 55-68

Von dem Nervensystem an der Spitze der Hierarchie einmal abgesehen, ergibt sich die Reihenfolge der Organsysteme im menschlichen Organismus unserer Erfahrung nach wie folgt:

Da der Zweck der gesamten kybernetische Regulation auf biochemischer Ebene das Energiemanagement ist, stehen die Mitochondrien als die effektivste Energiequelle des Körpers an erster Stelle. Das Gehirn ist aus rein biologischer Sicht im Grunde nur dazu da dieses Energiemanagement so effektiv wie möglich zu gestalten:

“Um zu gedeihen, muss ein Tier ein Gleichgewicht zwischen Energieausgaben und -einlagen herstellen und eine Rendite für seine Ressourceninvestitionen sehen, und zwar nicht nur in der Qualität und Quantität der erworbenen Ressourcen, sondern auch darin, dass genügend überschüssige Energie vorhanden ist, um die Details der Erfahrungen zu kodieren und zu konsolidieren, so dass diese Erfahrungen in den synaptischen Verbindungen des Gehirns verfügbar sind, um künftige Entscheidungen über Ausgaben und Einlagen zu steuern. Aus der Perspektive des Gehirns sind sein Körper und die Welt außen ein System in welchem der Stoffwechsel des Körpers allgemein und seine Energieregulation gemanagt werden müssen.”

Barrett et. al, An active inference theory of allostasis and interoception in depression, 2016

Allerdings ist nicht nur das Gehirn alleine für das Energiemanagement zuständig. Es  steht aber mit seiner neurologischen und psychologischen Funktion an der Spitze einer absteigenden Befehlskette, die über das Hormon- zum Immunsystem hinunter, und darüber hinaus auch bis zu jeder einzelnen Zelle reicht.

Die Befehlskette läuft dabei nicht ausschließlich in eine Richtung von oben nach unten, denn in offenen komplexen Systemen sind Subsysteme miteinander verschachtelt:

“Supersysteme (z. B. Ökosysteme oder Organismen) bestehen aus Subsystemen (Organismen bzw. Zellen). Sie sind ineinander verschachtelt und aus dieser Sicht untrennbar, da sie, obwohl eindeutig individuell, aus einander bestehen. Das verschachtelte System besteht aus identifizierbaren, selbstorganisierenden Teilen oder Holons. Ein Holon bezieht sich auf Entitäten, die dazu bestimmt sind, eine neue Entität im lebenden System zu bilden. Es ist selbst ein aus Teilen zusammengesetztes Ganzes, aber gleichzeitig ein Teil eines größeren Ganzen. Holons sind offene Subsys- teme von Systemen höherer Ordnung, mit einem Kontinuum von der Zelle bis zur Ökosphäre. Die Hierarchie von Holons bezeichnen wir als Holarchie. In einer Holarchie bestehen die höheren organisationalen Ebenen aus den niedrigeren Ebenen. Dies unterscheidet sich von einer Ranghierarchie, wie z. B. einer Armee, in der die höher gestellten Männer nicht aus den niedriger gestellten Männern bestehen.”

Characteristics of nested Living Systems, Günther/Folke, 1993

Bei verschachtelten Hierarchien steht also die Spitze der Hierarchie im engen Bezug zur Basis, da die Spitze sich gleichsam aus der Basis ergibt. Das Nervensystem ist also ohne die restlichen Organsysteme überhaupt nicht lebensfähig. Weder kann es sich selbst mit Nährstoffen versorgen, noch kann es sinnvolle Entscheidungen treffen, wenn es von Subsystemen nicht mit Informationen versorgt wird.

Die verschachtelte Hierarchie im menschlichen Organismus kann man sich also wie folgt vorstellen:

Die Verschachtelung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Nervensystem den Organismus steuert und dass das Nervensystem am Ende immer das “letzte Wort” hat. Schließlich ist das Nervensystem mit dem Gehirn der Träger des kognitiven Bewusstseins (im Gegensatz zur Ohnmacht oder Katatonie – ob das Nervensystem auch Träger des Bewusstsein im spirituellen Sinn ist, lassen wir hier unbeantwortet):

“Die Kommandofunktionen aller höher entwickelten Tierkörper werden vom Gehirn des Tieres vermittelt. Das gilt für den Menschen ebenso wie für Singvögel, Eidechsen, Fische und Vogelspinnen. Die übergeordneten Exekutivfunktionen bilden die „geistigen“ Fähigkeiten dieser Tiere, ihre artspezifische Neuropsychologie, wenn man so will. Zusammengefasst ist die höchste geistige Fähigkeit dieser Tiere ihr Bewusstsein. Mit anderen Worten: Das Bewusstsein ist eine Funktion des Gehirns eines Tieres. Bewusstsein ist und kann nur durch neuronale Strukturen im Gehirn vermittelt werden – kein Gehirn, kein Bewusstsein.”

Consciousness as an intelligent complex adaptive system: A neuroanthropological perspective, Laughlin, 2022

Das Gehirn selbst wiederum ist ebenfalls in sich hierarchisch angelegt:

Hierarchische Organisation des Gehirns

Es zeigt sich, dass der phylogenetisch älteste Teil des Gehirns, also der Anteil, den wir mit Würmern und Insekten gemein haben, an der Basis des Schädels angesiedelt ist. Gehirnteile, die kognitiv komplexere Aufgaben ausführen können, bauen sich ebenfalls im Sinne einer verschachtelten Hierarchie in Schichten, bzw. Stockwerken nach außen und oben hin auf. Der evolutionsbedingt jüngste Teil des menschlichen Gehirns ist der Kortex, den Menschen mit Primaten gemein haben. 

In dem Aufbau unseres Gehirns zeigt sich noch eine weitere Eigenschaft des offenen komplexen Systems, nämlich die Fähigkeit der Entwicklung. Offene komplexe Systeme werden auch als “adaptiv” bezeichnet. Das bedeutet, dass sie sich immer wieder neu an ihre Umwelt anpassen können. Ein Beispiel zeigt sich eben darin, dass unser Gehirn in sich Eigenschaften von Lebewesen vereint, die als Spezies einen weniger komplexen Evolutionsgrad als Menschen aufweisen. Das menschliche Gehirn wurde durch Anpassung an die Umwelt also im Laufe der Evolution immer komplexer.

Allerdings können offene komplexe Systeme sich nicht nur an die Umwelt anpassen, sie müssen es auch, wenn sie langfristig überleben wollen.

Wie offene komplexe Systeme sich an die Umwelt anpassen: Homöostase oder Allostase?

Bei der Anpassung an die Umwelt reagiert ein offenes komplexes System mit Selbstregulation. Selbstregulation bedeutet, dass das System in seinem inneren Mileu eigenständig Veränderungen vornimmt, um seine Funktion zu erhalten. Diese Regulation kann im offenen komplexen System auf zwei Arten passieren: Homöostase oder Allostase. Sowohl Homöostase als auch Allostase sind Mechanismen der Selbstregulation, jedoch jeweils mit einem sehr verschiedenen Ergebnis.

Homöostase: Rückkehr zum vorherigen Zustand

Homöostase ist

“die Fähigkeit von Lebewesen sich selbst stabil zu halten,” … sie “impliziert die Existenz von Kontrollmechanismen, die bereit sind korrigierend einzugreifen, wenn der normale Zustand des Organismus durcheinander gerät.”

Walter B. Cannon, The Wisdom of the Body, 1932, S. 20

Die Regulation der Homöostase zielt also im besten Fall darauf ab, den Körper zurück in den Zustand zu bringen, der vor dem Eintritt des Ungleichgewichts geherrscht hat. Ziel ist bei der Homöostase nämlich so gut und schnell wie möglich wieder irgend ein inneres Gleichgewicht herzustellen. So gut wie möglich heißt, dass z.B. nach der Verhinderung des Ausblutens nach dem Wundverschluss eine Narbe zurückbleiben kann. Auch ein Koma ist eine homöostatische Antwort. Beim Koma reduziert der Körper seine Funktionen und sogar sein Bewusstsein maximal, um Ressourcen zu schonen, damit der Betroffene überlebt. Zurückbehaltene Einschränkungen der Struktur (Anatomie) oder Physiologie (Funktion) werden in Kauf genommen. Narben z.B. können sowohl strukturelle oder funktionelle Einschränkungen bedeuten. Nach Komata können Betroffene Behinderungen zurückbehalten. Je nach Verfügbarkeit innerer Ressourcen, funktioniert die Regulation also nur mit Abstrichen. Bei der Homöostase wird also nicht immer der Zustand vor dem Vorfall wieder hergestellt, der die Selbstregulation ausgelöst hat. Ziel ist zunächst das Überleben. 

Vorteil dieser Form der Selbstregulation ist eine schnelle Stabilisierung des Systems:

“Die konservierende Selbstorganisation weist Parallelen zur bekannten kybernetischen Dynamik der Homöostase auf. Ein homöostatisches System hält einen bestimmten Gleichgewichtszustand aufrecht, indem es nach einer Störung zu diesem Gleichgewicht zurückkehrt. Das bekannteste Beispiel ist der Heizungsthermostat. Die Regeln, die in einem solchen System gelten, werden von außen vorgegeben und ändern sich nicht, wenn das System arbeitet. Somit führt die konservative Selbstorganisation zu Stabilität und Beständigkeit des Systemverhaltens, da es sich immer in einem Gleichgewichtszustand befindet oder sich dorthin bewegt.”

van Olffen et al., The Role of Hierarchy in Self-Organizing Systems, 1995

Allostase: Rückkehr zum vorherigen Zustand plus bessere Anpassung in Zukunft

Die Allostase hingegen bezweckt noch mehr:

“Das Ziel ist jedoch nicht die Konstanz, sondern die koordinierte Variation zur Optimierung der Leistung bei möglichst geringen Kosten…”

Sterling, Principles of allostasis: optimal design, predictive regulation, pathophysiology and rational therapeutics, 2004

Bei der Allostase findet also neben der Rückkehr zum Gleichgewicht des Systems auch noch eine Anpassungsleistung statt. Das System optimiert für die Zukunft seine Leistungsfähigkeit, indem es mehr Leistung unter geringerem Energieaufwand erbrigen kann. Mit anderen Worten: ein Allostase-fähiges System ist Upgrade-fähig, ein nur zur Homöostase fähiges System nicht. Ein gutes Beispiel für die Allostase wäre die Bildung von Antikörpern nach einer durchgemachten Infektion, durch die der Körper in Zukunft Infektionen besser abwehren kann. Ein anderes Beispiel für die Allostase auf psychischer Ebene wäre eine Lernerfahrung, die zur Erkennung gleicher oder ähnlicher Situationen in Zukunft befähigt. So würden Menschen nicht immer wieder auf den gleichen Typ Mann/Frau “hereinfallen” oder immer wieder Hoffnungen in Wunderpillen setzen. Durch die Allostasefähigkeit erfährt also das offene komplexe System ständige Updates des inneren “Betriebssystems”. Bei der Allostase wird also der Reiz, der das System anfänglich durcheinander gebracht hat, produktiv für die eigene Entwicklung genutzt. Diese Update-Fähigkeit nennt man auch dissipative Selbstorganisation:

“Dissipative Selbstorganisation tritt in Systemen auf, die sich in einem gleichgewichtsfernen Zustand befinden, in dem alle Gleichgewichtszustände vorübergehender Natur sind. Das System „stolpert“ also von einem vorübergehenden Gleichgewichtszustand in einen anderen. Infolge positiver Rückkopplungsbeziehungen werden anfängliche Störungen solcher Gleichgewichtszustände verstärkt und destabilisieren das System dadurch wieder. In manchen Situationen kann das System ein neues temporäres Gleichgewicht bilden, das auf einem neu gebildeten Satz regulierender Prinzipien beruht. Dieses Ordnungsprinzip wird als “Ordnung durch Fluktuation” bezeichnet und wurde erstmals in der physikalischen Erforschung der Fluidturbulenz beschrieben. Keiner der entstehenden stationären Zustände kehrt jemals exakt zurück. Im Gegensatz zur konservativen Selbstorganisation führt die dissipative Selbstorganisation also nicht zu Stabilität, sondern zu ständiger Veränderung.”

van Olffen et al., The Role of Hierarchy in Self-Organizing Systems, 1995

Offene komplexe Systeme, die sich allostatisch/dissipativ regulieren, lassen Irritationen des Systems einfach durchlaufen, statt sie als Bedrohung zu behandeln. Ihre Stärke ergibt sich aus einem Fließgleichgewicht:

Im Fließgleichgewicht verändert sich das System, ohne dass die dabei entstehende Veränderung das System tiefgreifend stört. Strukturen oder Funktionen mögen zwar vorübergehend eingeschränkt sein, doch ein Notstand des Systems tritt nicht ein. Man stelle sich die häufig auftretende vorübergehende Ungeschicklichkeit nach einen Wachstumsschub bei Jugendlichen vor. Oder die vorübergehende Schlappheit, die einen Infekt u.a. begleitet, damit der Körper in Ruhe genesen kann.

Gesundheit und Krankheit können endlich objektiv und positiv definiert werden

Da es bei der Allostase zur vollständigen Reparatur von vorübergehenden Schäden an Struktur (Anatomie) und Physiologie (Funktion) kommt, können wir nun auch Gesundheit objektiv und positiv definieren, und damit auch das Ziel jeder Behandlung:

Definition: Gesundheit ist die anhaltende Allostase Fähigkeit des Körpers.

Die Kybernetik stellt also nicht nur ein Bindeglied zwischen Anatomie (Struktur) und Physiologie (Funktion) dar. Der immerwährende vermittelnde Ausgleich der Kybernetik kann die Gesundheit nur erhalten, wenn die Selbstregulation dissipativ/allostatisch funktioniert.

Bei der homöostatischen Regulation hingegen, wird der kurzfristige Erhalt der Funktion gegenüber der Struktur bevorzugt. Bei der Homöostase wird nicht darauf geachtet, ob in Zukunft an der gleichen Stelle Einbußen entstehen wie bei Narben, oder an anderer Stelle Folgeschäden entstehen. Folgeschäden entstehen z.B. häufig durch eine dauerhafte Zentralisierung des Blutes bei der erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen, die sehr häufig mit der homöostatischen Regulation einhergehen (z.B. Haarausfall, Erektionsstörungen, Zellulite u.a.).

Man kann also feststellen, dass die Homöostase ein Notmechanismus sein muss, der dann aktiviert wird, wenn die Allostase nicht (mehr) möglich ist. Da es bei der Homöostase nach einer Destabilisierung des Systems oft nicht zu einer vollständigen Wiederherstellung des Organismus kommt, liegt auf der Hand, dass die ständige Aktivierung der Homöostase langfristig zu Struktur- und Funktionsverlusten führen wird.

Die Frage ist natürlich, ob man erst die  kumulativen Folgen der Homöostase als Krankheit bezeichnen möchte oder den Einsatz der homöostatischen Selbstregulation an sich. Wer eher schulmedizinisch denkt, wird erst von einer Krankheit ausgehen wollen, wenn zumindest durch Laborergebnisse ermittelbare Veränderungen eintreten. Kybernetisch gedacht ist ein System, was sich nicht mehr anpassen kann, allerdings sehr bald nicht mehr dazu in der Lage sich selbst zu versorgen und damit krank.

Man muss dabei bedenken, dass Symptome oft noch sehr lange auf sich warten lassen, nämlich so lange wie der Körper mangelnde Reparaturen kompensieren kann. Doch deren Ursachen werden unter Umständen viele Jahrzehnte vorher durch eine mangelnde Reperaturleistung aufgrund der homöostatischen Regulation gelegt. Symptome werden dann durch weitere Struktur- und Funktionseinbußen verursacht, die das Fass zum Überlauben bringen und wodurch Symptome und Krankheiten entstehen. Zudem werden auch Symptome häufig nicht als problematisch angesehen, wenn sie den Betroffenen nicht stören. Dabei gibt es unzählig viele Symptome, die auf eine suboptimale Kybernetik hinweisen. Jeder Verschleiss und jede Alterung sind ein Zeichen einer homöostatischen Regulation. Da Menschen aber davon ausgehen, dass altern zum Leben dazu gehört, hinterfragen sie z.B. nicht, warum die Haare mit fortschreitendem Alter immer dünner und grauer werden. Daher halten wir das Auftreten von subjektiv störenden Symptomen nicht für einen geeigneten Krankheitsmaßstab, wie bereits weiter oben erläutert worden ist. Wir bleiben also beim kybernetischen Krankheitsbegriff:

Definition: Krankheit ist die anhaltende Allostase Unfähigkeit des Körpers = ausschließliche Homöostase Fähigkeit.

Wie schafft der Organismus sich vorwiegend durch die Allostase selbst zu regulieren?

Die alles entscheidende Frage ist jetzt natürlich, wie der menschliche Organismus es schafft sich vorwiegend durch die Allostase selbst zu regulieren und nur zweitrangig durch die Homöostase.

Wenn wir diese Frage beantworten können, können wir gleichzeitig auch den kybernetischen Heilweg zwischen Krankheit und Gesundheit beschreiben.

Die Antwort auf die Frage, warum der Körper sich der Homöostase und nicht der Allostase bedient, scheint zunächst einmal sehr einfach: Die Homöostase ist ein Notmechanismus, der aus Mangel an Ressourcen stattfindet.

Homöostase als Notmechanismus des Organismus

Da Ressourcen nicht endlich sind, muss der Organismus eine Möglichkeit haben trotz knapper Ressourcen so gut wie möglich weiter zu funktionieren. Die Homöostase ist das Ordnungsprinzip für Zeiten, in denen Ressourcen knapp sind. Im Überlebensprinzip werden Ressourcen nach Wichtigkeit für das Überleben des Gesamtsystems verteilt. Alles äußere, wie Haut und Haare, aber auch die Fruchtbarkeit und Verdauung bekommen nur das an Ressourcen ab, was übrig bleibt, wenn z.B. Herz und Lungen versorgt worden sind, die für Kampf oder Flucht wichtig sind. Um im Körper diese Umstellung hin zur Energiekonservierung zu gewährleisten, finden vorhersehbare und immer gleich ablaufende Veränderungen im ganzen Körper statt.

Diese Veränderungen, die unter dem allgemeinen Schlagwort Stress und spezifischer “Fight, Flight, Freeze” (Kampf, Flucht, Starre) bekannt sind, sind zu ausführlich, um sie an dieser Stelle zu besprechen. Stress ist nichts anderes als eine biologische Reaktion des Organismus auf Ressourcenmängel. Stressreaktionen korrelieren also mit spezifischen Veränderungen der Neurologie, der Endokrinologie und der Biochemie. Da das Nervensystem in diesem Prozess der Taktgeber ist, weisen wir hier nur kurz auf dessen Veränderungen bei Stress hin: 

“Die drei Schaltkreise des autonomen Nervensystems sind hierarchisch aufgebaut, mit einer stufenartigen Progression von einem Zustand zum nächsten, entsprechend der evolutionären Entwicklung des autonomen Nervensystems bei Wirbeltieren. Soziales Engagement, das auf dem zuletzt entwickelten Nervenkreislauf einschließlich des ventralen Vagusastes basiert, steht an der Spitze der Leiter und fördert friedliche Unbeweglichkeit und Wohlbefinden [Anmerkung: dieser Schaltkreis ist bei der Allostasefähigkeit aktiviert]. Die nächste Sprosse ist die spinale sympathische Kette, die die Kampf- oder Fluchtreaktion aktiviert. Am unteren Ende steht der dorsale Vaguskreislauf, die älteste evolutionäre Struktur, die die Abwehrreaktion der Immobilisierung mit Angst auslöst.”

Stanley Rosenberg, Accessing the Healing Power of the Vagus Nerve, 2017, S.52

Im Hormonsystem zeigen sich diese Veränderungen ebenfalls in einer Kaskade, die seit Jahrzehnten als Generelles Adaptationsprinzip bekannt ist:

“Das allgemeine Adaptationssyndrom wird im Allgemeinen in drei Hauptphasen unterteilt: (1) die Alarmphase, (2) die Resistenzphase und (3) die Erschöpfungsphase. In der Alarmphase werden Katecholamine und Cortisol als Reaktion auf die Stimulation des sympathischen Nervensystems, der Hypothalamus-Hypophysen-Achse und der Nebennieren ausgeschüttet. Diese Phase wird oft als „Kampf- oder Fluchtphase“ bezeichnet. Diese Hormone bereiten den Körper auf die Verteidigung gegen den Stressor vor. In kurzfristigen und leichten Stresssituationen kann sich die Reaktion innerhalb der Alarmstufe auflösen und in ihrer Intensität und Dauer begrenzt sein. In der frühen Phase der Stressreaktion sind auch andere Hormone im Spiel. Die Unterdrückung bestimmter Hormone, wie z. B. des Wachstumshormons, der Schilddrüsenhormone und der Fortpflanzungshormone, ist notwendig, um Energie zu sparen, die zur Abwehr des Stressors benötigt wird. Das antidiuretische Hormon wird erhöht, um Flüssigkeit zurückzuhalten und so den Blutdruck aufrechtzuerhalten, der für die Durchblutung des lebenswichtigen Gewebes erforderlich ist. Sobald der Stress abgebaut ist, kehrt der Hormonspiegel wieder auf das Niveau vor dem Stress zurück. Auf anhaltenden Stress folgt die Resistenzphase, in der der Cortisolspiegel durch negative Rückkopplungsmechanismen abnimmt. Überschüssiges Cortisol ist in der Anfangsphase von Stress hilfreich, um den Stoffwechsel zu erhöhen, indem Proteine abgebaut, Fette freigesetzt und die zirkulierende Glukose erhöht wird. Dies gibt dem Körper Energie für Kampf oder Flucht. Im Laufe der Zeit ist Hypercortisolismus jedoch schädlich und führt zu einer Erschöpfung der Entzündungs- und Immunreaktionen, einem übermäßigen Verlust von Körperproteinen und dem Abbau von Geweben sowie zu Glukoseintoleranz. Daher ist die Kortisolausschüttung keine wirksame Methode, um sich an anhaltenden Stress anzupassen. Wie bereits angedeutet, werden einige Hormonspiegel bei Stress unterdrückt und bleiben dies auch während der Widerstandsphase. Dies hat ebenfalls nachteilige Auswirkungen. Der Verlust an zirkulierenden Schilddrüsen-, Wachstums- und Fortpflanzungshormonen kann langfristige Auswirkungen auf das lineare Wachstum, den Stoffwechsel und die Fortpflanzung haben. Der anhaltende Anstieg des antidiuretischen Hormons durch anhaltenden Stress äußert sich in übermäßiger Flüssigkeitsretention und anschließender Hypertonie (Bluthochdruck). Chronischer überwältigender Stress führt zu Erschöpfung. Das Erschöpfungsstadium ist durch Energieverlust und Degeneration von Zellen, Geweben, Organen und Organsystemen gekennzeichnet.”

Braun/ Anderson, Applied Physiology: Functional Alterations in human health,   2007, S. 291 – Kennzeichnung in Fett von der Verfasserin dieses Artikels

Im Zitat zum Generellen Adaptationssyndrom findet sich auch der entscheidende Hinweis, dass das letzte Stadium mit einem Energieverlust verbunden sei. Wichtig ist, dass dieser Energieverlust sowohl eine Folge des Generellen Adaptationsverlusts ist, als auch dessen Ursache sein kann. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass das Ziel der oben dargestellten Veränderungen im Körper das Überleben ist, also der Erhalt metabolischer Grundfunktionen. Dafür braucht der Körper als Minimalerfordernis Energie. Während des Erhalts metabolischer Grundfunktionen treten Fortpflanzung und Entwicklung in den Hintergrund:

“Nach dem OCLTT-Konzept und dem energiebegrenzten Konzept der Stresstoleranz ist die Fähigkeit, einen positiven aeroben Bereich aufrechtzuerhalten, ein Schlüsselfaktor für das langfristige Überleben von Organismen und die Nachhaltigkeit ihrer Populationen. Bei mäßigem Stress verringert sich der aerobe Spielraum, bleibt aber positiv, so dass das langfristige Überleben der Population möglich ist, wenn auch auf Kosten eines verringerten Wachstums und einer geringeren Reproduktion. Wenn der Umweltfaktor weiter vom Optimum abweicht, nimmt der aerobe Spielraum des Organismus weiter ab, bis er im pessimalen Umweltbereich Null erreicht. Unter diesen Bedingungen wird der gesamte Energiefluss und die gesamte Stoffwechselkapazität des Organismus für die Grundversorgung (d. h. das Überleben) eingesetzt, und der anaerobe Stoffwechsel wird häufig eingeschaltet, um die unzureichende aerobe ATP-Produktion zu kompensieren. Einige Arten aus extrem variablen Umgebungen (z. B. Gezeitenzone, aride oder ephemere Lebensräume) haben eine Fähigkeit zur Stoffwechseldepression entwickelt, die im pessimalen Bereich eingesetzt werden kann. Die Stoffwechseldepression verlängert die Überlebenszeit und erhöht damit die Chance, dass ein Organismus am Leben bleibt, bis sich die Bedingungen verbessern, aber sie erhöht nicht den aeroben Bereich, so dass ein zeitlich begrenztes Überleben auf Kosten von Reproduktion, Wachstum und Aktivität erreicht wird. Eine weitere Zunahme des Umweltstresses führt schließlich dazu, dass der aerobe Bereich negativ wird und die Energiezufuhr sowohl aus dem aeroben als auch aus dem anaeroben Bereich nicht mehr ausreicht, um auch nur den Grundbedarf des Stoffwechsels zu decken. Unter diesen Bedingungen (d. h. im tödlichen Bereich) kommt es zu massiven Störungen der Homöostase sowie zu zellulären und systemischen Schäden, die nicht mehr repariert werden können und zu Morbidität und Mortalität führen.

Das vorgeschlagene energiebegrenzte Modell der Stresstoleranz geht davon aus, dass die Grunderhaltung (d. h. der Energiebedarf für das Überleben) Vorrang vor anderen Prozessen wie Wachstum, Reproduktion oder Speicherung hat. Dieses Prinzip hat sich für viele Arten als zutreffend erwiesen.”

Sokolova, Energy-Limited Tolerance to Stress as a Conceptual Framework to Integrate the Effects of Multiple Stressors, 2013, Fettkennzeichnung durch Verfasserin dieses Artikels

In den folgenden zwei Bildern kann das eben beschriebene Verhältnis von Energieressourcen und Fortpflanzungsfähigkeit/Entwicklungsfähigkeit noch einmal graphisch nachvollzogen werden:

Optimale Energieversorgung und Entwicklung

Dass aerober Energiemangel auf Zellebene Wachstum, Fortpflanzung und Entwicklung begrenzt, ist eigentlich selbstverständlich. Umso erstaunlicher ist, dass diese Tatsache in der Medizin und Naturheilkunde selten ausgesprochen und noch seltener konsequent als Faktor bei der Entstehung von Krankheiten und der Erlangung von Gesundheit beachtet wird. In der Regel wird Energie schlicht und einfach vorausgesetzt.

Wir können also festhalten, dass eine Selbstregulation mittels Homöostase statt der für den Organismus günstigeren Allostse bereits dann eintritt, wenn dem Organismus Energie auf Zellebene als basalste Ressource fehlt.

Diesen Zustand nennt man alternativ zur Homöostase auch allostatische Überladung Typ 1:

Eine allostatische Überladung des Typs 1 tritt auf, wenn die Energienachfrage das Angebot übersteigt, was zur Aktivierung des lebensgeschichtlichen Notfallstadiums führt. Dies dient dazu, das Tier von den normalen Lebensphasen in einen Überlebensmodus zu bringen, der die allostatische Belastung verringert und eine positive Energiebilanz wiederherstellt. Der normale Lebenszyklus kann wieder aufgenommen werden, wenn die Störung vorüber ist.

Wingfield, The concept of allostasis: coping with a capricious environment, 2005 

Hier wurde einfach begrifflich das Konzept der Homöosatse in das Allostase Konzept eingefasst, wobei erst in jüngster Zeit in der Wissenschaft der Energiemangel als Auslöser der Homöostase explizit benannt wird, weswegen sich der Begriff allostatische Überladung Typ 1 für die schon lang bekannte Homöostase allmählich durchsetzt.

Die Verfügbarkeit ausreichender Ressourcen als Voraussetzung für die Allostase

Allerdings braucht der Organismus über die reine Verfügbarkeit von Energie hinaus noch andere Ressourcen, um nicht in Not zu geraten:

“Das lebensgeschichtliche Notfallstadium besteht aus 4 Hauptkomponenten, von denen jede in der Lage ist, mit verschiedenen Arten von direkten und indirekten Störfaktoren umzugehen. Dies sind die Kampf- oder Fluchtreaktion (besonders geeignet für indirekte Störfaktoren), proaktive und reaktive Bewältigungsstile (z. B. als Reaktion auf psychosoziale Reize), Krankheitsverhalten und Fieber (als Reaktion auf Infektionen oder Verletzungen) sowie fakultative Verhaltens- und physiologische Strategien (zur Bewältigung einer Vielzahl von direkten Störfaktoren). Diese Komponenten lebensgeschichtliche Notfallstadiums schließen sich nicht gegenseitig aus und können je nach Art und Intensität der Störung in verschiedenen Kombinationen zum Ausdruck kommen.”

Wingfield, The concept of allostasis: coping with a capricious environment, 2005 

Die rein körperliche Energieversorgung reicht also beim Menschen nicht aus, um die Homöostase zu verhindern. Es werden weitere Ressourcen, auch auf emotionaler, mentaler und sozialer Ebene benötigt.

Auf einer rein biologischen Ebene könnte man natürlich behaupten, dass alle anderen Ressourcen, die ein Organismus braucht oder entwickelt, letzten Endes der Energiebeschaffung oder -Erhaltung dienen. Wir gehen allerdings davon aus, dass zum Menschsein über das reine Überleben hinaus auch Elemente der Sinnsuche und Transzendenz gehören, die in diesem Text aber ausgeklammert werden.

Ganz grob könnte man also sagen, dass der Organismus physische, emotionale und mentale Ressourcen benötigt, um Allostase-fähig zu sein:

Das Gehirn enthält ein inneres Abbild der Wirklichkeit

Durch die Allostase Fähigkeit kommt der Organismus in die Lage in Zukunft weitere Ressourcen zu erschließen, wodurch sich das System einerseits selbst erhalten, aber auch erweiteren kann:

“Allostase ist die Fähigkeit, physiologische Systeme flexibel an den voraussichtlichen Energiebedarf anzupassen. Effizienz erfordert die Fähigkeit die Bedürfnisse des Körpers vorwegzunehmen und sich darauf vorzubereiten, um diese zu befriedigen.”

Barrett et. al, An active inference theory of allostasis and interoception in depression, 2016

Um Bedürfnisse vorwegzunehmen, muss der Organismus ein akkurates Abbild der Außenwelt internalisiert haben:

“Mit diesen Beobachtungen im Hinterkopf können wir uns vorstellen, dass ein Gehirn ein internes Modell der Welt aus der Perspektive der physiologischen Bedürfnisse seines Körpers beherbergt (gemäß dem bekannten kybernetischen Prinzip, dass alles, was ein System reguliert (d. h. auf es einwirkt), ein internes Modell dieses Systems enthalten muss). Ein internes Modell wird durch die intrinsische Gehirnaktivität implementiert, die beim Menschen satte 20 % der gesamten Energie verbraucht. Die neue Erwägung ist hier, dass die Allostase und ihre sensorischen Folgen (d. h. die Interozeption) zentrale Merkmale dieses Modells sind.”

Barrett et. al, An active inference theory of allostasis and interoception in depression, 2016

Das Gehirn gleicht dabei ständig sein inneres Abbild der Welt über den Sinnesapparat mit der Außenwelt ab. Entdeckt das Gehirn dabei eine Diskrepanz zwischen dem inneren Weltbild und der tatsächlichen Realität, führt das Gehirn ein inneres Update durch, um sein Weltbild der Realität anzupassen.

Ideale Sollwerte als Voraussetzung für Heilung

Der Organismus muss dabei notwendigerweise auch der Situation angemessene Sollwerte etablieren, konkrete Messgrößen für das kybernetisch “rechte Maß”.  Bei der Allostase richtet sich dieses Maß am Optimum aus, während bei der Homöostase das bei Ressourcen Knappheit bestmöglich machbare ausschlaggebend ist:

Ziel der Allostase sind optimalee Sollwerte für alle Kreisläufe des Organismus. Sind diese Sollwerte gegeben, ist der Mensch gesund. Denn wir erinnern uns daran, dass Schwellenwerte und Umkippefekte die Kybernetik offener komplexer Systeme bestimmt. Ein optimaler Sollwert ist die positive Ausprägung dieser Messwerte. Er verhindert, dass im System bestimmte Schwellen überschritten werden, die das System zum Umkippen bringen.

Durch diese Präzisierung des Gesundheitsbegriffs können wir nun auch die Heilung als Weg zwischen Krankheit und Gesundheit definieren:

Definition: Heilung ist die Fähigkeit des Organismus dem Leben zuträgliche optimale Sollwerte zu etablieren und zu erhalten.

Doch leider findet in vielen Fällen ein Abgleich mit der Realität nicht statt, was zu lebensfeindlichen und damit auch krank machenden Sollwerten führt.

Diese Entkopplung von der Realität ist ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Erkrankungen, genannt allostatische Überladung Typ 2.

Die allostatische Überladung Typ 2: Ich bastle mir die Welt, wie sie mir gefällt

Bei der allostatischen Überladung Typ 2 handelt es sich um einen Abgleichfehler des Gehirns mit der Wirklichkeit:

Die allostatische Überladung des Typs 2 beginnt, wenn ein ausreichender oder sogar übermäßiger Energieverbrauch mit sozialen Konflikten und anderen Arten von sozialer Dysfunktion verbunden ist. Letzteres ist der Fall in der menschlichen Gesellschaft und in einigen Situationen, die Tiere in Gefangenschaft und möglicherweise auch unter natürlichen Bedingungen betreffen.

Barrett et. al, An active inference theory of allostasis and interoception in depression, 2016

Auf den Punkt gebracht bedeutet der Zustand der allostatischen Überladung Typ 2, dass der Organismus sich so verhält als gäbe es einen Energiemangel, obwohl objektiv ausreichend Energie vorhanden ist, bzw. sogar ein Überschuss daran besteht.

Es findet also eine Perversion des eigentlichen Allostaseprinzips statt.

Durch die allostatische Überladung Typ 1 (Homöostase) soll der Körper dazu in die Lage versetzt werden mit seinen Ernergieressourcen zu haushalten, um so hoffentlich bei besseren Zeiten wieder Allostase-fähig zu werden.

Bei der allostatischen Überladung Typ 2 kommt es zu einem uneffektivem und damit völlig unsinnigen Mechanismus. Der Körper löst Notmechanismen aus, die ohne jede Notwendigkeit zur selektiven Energieversorgung des Gewebes führt (z.B. durch erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen). Durch diese Minderversorgung kommt es natürlich zur Minderversorgung aller Gewebsarten, die für das unmittelbare Überleben unwichtig sind (z.B. Verdauung, Fortpflanzung). Es kann ebenfalls zu einem für das dritte Stadium des Generellen Adaptationssyndroms (Erschöpfungsstadium) typischen Zustand des Katabolismus kommen. Dieser Mechanismus der Selbstverdauung zerstört zunächst für das Überleben unwichtige Gewebe (Haut z.B.), um daraus Energie für überlebenswichtige Organe bereit zu stellen. Das bedeutet nichts anderes, als dass sich der Organismus in der allostatischen Überladung Typ 2 ohne jeden sinnvollen Grund selbst zerstört. Denn auch der Katabolismus ist natürlich nur als vorübergehender Notmechanismus bei Energieengpässen von der Natur eingerichtet worden.

An dieser Stelle wird deutlich, weswegen die Stellung des Gehirns an der Spitze der Organhierarchie ein zweischneidiges Schwert ist. Solange das Gehirn ein korrektes Abbild der Welt in sich abbildet, haben wir im Organismus ein hoch effektives Instrument des Energiemanagements. Sobald das Gehirn sich jedoch von der Realität entkoppelt, zerstört es den Körper und damit auch sich selbst.

Die Prinzipien der allostatischen Überladung Typ 1 und 2 gelten allerdings nicht nur für den Umgang mit Energieressourcen. Sie können analog auch auf den Umgang mit emotionalen und mentalen Ressourcen angewendet werden. Jeder kennt das Beispiel eines Menschen, der in seiner Kindheit auf Zuneigung und Liebe verzichten musste und diese als Erwachsener zurückweist, bzw. behauptet auch immer noch leer auszugehen, obwohl ihm seitens der Umwelt reichlich Zuneigung und Liebe entgegen gebracht werden.

An dieser Stelle können wir also bereits eine erste grobe Feststellung über die Ursachen von Erkrankungen treffen:

Neben Unfällen, Energiemängel und iatrogenen Ursachen (medizinisch induziert: z.B. Nebenwirkungen) sind also sehr viele Erkrankungen buchstäblich hausgemacht.

Wir können aus Erfahrung sagen, dass über 90% aller chronischen Erkrankungen zumindest eine Komponente aufweisen, die auf eine innere Störung des Nervensystems und der Psyche zurückzuführen sind! Eine allostatische Überladung Typ 2 zu heilen ist möglich, aber mühselig und langwierig. Erkrankungen, die auf einer allostatischen Überladung Typ 2 beruhen, bedürfen grundsätzlich psychotherapeutischer Interventionen, um zu heilen.

Erschwerend hinzu kommt, dass es bei dem Vorliegen der allostatischen Überladung Typ 2 häufig zu selbst-zerstörerischen Mechanismen des Organismus kommt, gerade wenn Nährstoffe oder andere Ressourcen (z.B. emotionale Zuwendung) zugeführt werden, die der Körper objektiv dringend braucht. Denn selbstverständlich spielen auch reale Mängel bei der Entstehung von Krankheiten eine Rolle. Sie sind die eigentliche Ursache aller Erkrankungen. Das Tragische ist lediglich, dass diese Mängel nicht ausgeglichen werden können, solange der Mechanismus der allostatischen Überladung Typ 2 noch wirkt. Erkrankungen, die rein auf Nährstoffmängeln basieren, sind sehr leicht zu heilen, sobald der Mangel erkannt und beseitigt wird. 

Aber selbst durch psychotherapeutische Maßnahmen, selbst modernste Traumatherapien, bedarf es einer weiteren Komponente, um die allostatische Überladung Typ 2 ursächlich zu heilen.

Denn wir sind bislang davon ausgegangen, dass der Organismus sich von der Allostase Fähigkeit zur Homöostase Fähigkeit zurückstuf, wenn Ressourcen knapp werden. Und dann wieder ein Upgrade von Homöostase zu Allostase vornimmt, wenn besser Zeiten anbrechen.

Was wäre wenn der Organismus zur Allostase noch nie fähig gewesen ist?

Was wäre wenn die allostatische Überladung Typ 2 eher Regel als Ausnahme wäre und das von der Naturheilkunde angenommene Mantra, dass Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden im Grunde eine Wunschvorstellung ist?

Denn die traurige und erschreckende Wahrheit, über die keiner spricht, ist, dass im grunde alle Menschen erst Allostase-fähig werden müssen, es aber bislang nie waren.

Mit anderen Worten: Körper, Geist und Seele müssen erst zu einer Einheit werden, damit der Organismus sich in der Regel erstmalig mit der Realität synchronisieren kann. Denn die Einheit von Körper, Geist und Seele ist ja gerade ein Ausdruck einer effektiven kybernetischen und damit allostaitschen Regulierung.

Der Schlüssel zur allostatischen Regulationsfähigkeit liegt in der Historie des betreffenden Systems, die ja ebenfalls zu den Systemeigenschaften gehört.

Um also die Zukunft des offenen komplexen Sysstems positiv zu beeinflussen, müssen wir uns zunächst einmal mit seiner Vergangenheit beschäftigen. Denn dort liegt der Schlüssel zur Heilung der allostatischen Überladung Typ 2. Ohne die Historie des Systems zu berücksichtigen kann auch die Krankheit in ihrer Gänze nicht begriffen werden, wodurch auch der Weg von ihr zur Gesundheit nicht beschritten werden kann.

Die Ontogenese als Schlüssel zur Kybernetik

Mit der Historie eines offenen komplexen Systems ist nichts anderes gemeint, als dass sich die eigene Entwicklung seit dem Zeitpunkt seiner Erschaffung in ihm niederschlägt. Beim Menschen reden wir also von der Empfängnis als Beginn des Organismus. Die danach ablaufende Entwicklung bis zur Volljährigkeit und darüber hinaus wird als Ontogenese bezeichnet.

Vom Potential zur Verkörperung

In Bezug auf die Entwicklung muss zwischen Anlagen und dem Vollzug der Entwicklung unterschieden werden. In welcher Reihenfolge und auf welche Weise sich menschliche Wesen bis zur Volljährigkeit entwickeln sollten, ist u.a. in den Genen kodiert, die alle wichtigen Grundzüge der menschlichen Spezies wie ein Bauplan enthalten. Dieser Bauplan ist letztendlich auch ein Ergebnis der Phylogenese, also unserer Ausdifferenzirung zur menschlichen Spezies, die sich, wie am Aufbau des Gehirns zu sehen, über die Zeit zu dem Wesen mit dem größten bekannten Potential für Komplexität auf Erden entwickelt hat.

Ob und wie diese Entwicklung dann tatsächlich abläuft, ist eine ganz andere Frage. Während die in den Genen kodierte Phylogenese das Potential der menschlichen Spezies absteckt, entscheidet die Ontogenese darüber, wie dieser Rahmen schlussendlich ausgefüllt wird. Als Ontogenese bezeichnet man den Prozess, den Lebewesen von ihrer Zeugung ausgehend bis zum Eintritt des Erwachsenenalters durchlaufen. Die Ontogenese beschreibt dabei wichtige Meilensteine wie die Geschlechtsreife und weitere Veränderungen, die ein Mensch im Laufe des Lebens erfährt. Sie stellt also eine individuelle und persönliche Übertragungsleistung aus allgemeinen menschlichen Grundsätzen und Möglichkeiten dar. Gene und andere Mechanismen wie morphogenetische Felder bilden den Plan ab. Bei der Ontogenese geht es um die eigentliche Konstruktion des menschlichen Wesens. Aber nicht im Sinne einer Serienproduktion, sondern idealerweise als Unikat. Im Laufe der Ontogenese werden idealerweise durch den kybernetischen Prozess Strukturen und Funktionen geschaffen, die vorher zwar im Bauplan angelegt waren, jedoch nicht zugänglich oder, um bei einem modernen Bild zu bleiben, freigeschaltet waren:

Zu Beginn ist der menschliche Organismus zur Homöostase fähig. Diese “Werkseinstellung” garantiert zunächst das Überleben der menschlichen Spezies, nicht aber das bestmögliche und effektivste Leben jedes einzelnen Individuums.

Das bedeutet, dass jedes einzelne Individuum sich die Fähigkeit zur Selbstorganisation/Selbstregulation (ein wesentliches Merkmal des offenen komplexen Systems) im Sinne der Allostase Fähigkeit zunächst erarbeiten muss.

Denn die Allostase Fähigkeit hängt nicht nur von dem Vorhandensein von genug Energie (sprich: Nährstoffen) ab, wobei deren Fehlen sie natürlich ausschließt. Auch weitere Ressourcen sind von Nöten, damit sich die Allostase Fähigkeit einrichtet.

Die Natur hat uns nämlich nur mit einer Grundausstattung in Bezug auf das Überleben versorgt, damit sich der menschliche Organismus ab dem Zeitpunkt der Zeugung spezifischen Umweltbedingungen anpassen kann. Aus diesem Grund sind menschliche Babies länger als jedes andere Tier von ihren Eltern abhängig:

“Der Mensch wird mit bemerkenswerten angeborenen Fähigkeiten zum Erwerb von Wissen geboren, aber das Wissen selbst muss nicht eingebaut sein. Die Organisation des Verhaltens wird durch genetische Informationen beeinflusst, aber wir werden auch zuverlässig mit einem exogenen Erbe geboren: unseren Eltern, unseren Sozialpartnern und unserer Umwelt. Die lange Zeit der sozialen Interaktion zwischen Eltern und Nachkommen kann kognitive Fähigkeiten fördern und soziales Lernen erleichtern. Die Kombination aus dem Zugang zu sozialen Informationen in unserer Umgebung und einer zugrundeliegenden Wahrnehmungvorliebe, sich sozialen Informationen zuzuwenden und zu organisieren, macht uns zu außergewöhnlichen sozialen Lernern. Studien über die exogenetische Vererbung nicht-menschlicher Tiere haben die überraschenden Lernprozesse offenbart, die hinter vielen Fähigkeiten stehen, von denen man einst annahm, dass sie angeboren sind. Selbst eindeutig adaptive und vitale Fähigkeiten, die vom ersten Lebenstag an überlebenswichtig sind, haben sich wiederholt als durch Informationen von außerhalb des Organismus konstruiert erwiesen.”

Faust et al., The Origins of Social Knowledge in Altricial Species, 2020

Menschenbabies können also auf Stoffwechselebene durch das Prinzip der Homöostase mit Energieressourcen haushalten. Aber viele andere Fähigkeiten, die sie später zum reinen Überleben brauchen, wie z.B. sich selbst zu füttern, müssen sie von ihrer sozialen Umgebung erlernen.

Erst recht müssen Kinder und später auch Jugendliche von ihrer sozialen Umgebung lernen, wie über das reine Überleben hinaus ein Leben effektiv gestaltet wird. Das gilt für das Führen eines Haushalts, aber auch für die innere emotionale und mentale Regulierung.

Damit Kinder auf allen Ebenen ihres Seins von der Abhängigkeit zu ihren Eltern in die Selbständigkeit kommen – Selbstständigkeit kann hier mit allostatischer Selbstregulation gleichhesetzt werden, müssen bestimmte Voraussetzungen in der Kindheit gegeben sein.

Am Anfang des Lebens sollten Bedürfnisse von Babies ziemlich unmittelbar erfüllt werden. Im Laufe der Zeit jedoch, muss ein Kind lernen, dass es nicht alleine auf der Welt ist und auch einmal warten muss. Um ihre Bedürfnisse verzögern zu können, internalisieren Kinder im Laufe der Zeit ehemals äußerliche soziale Strukturen und lernen so sich selbst zu regulieren. Dieser Prozess funktionert aber nur dann auf eine gesunde Weise, wenn dem Kind zum richtigen Zeitpunkt in seiner Entwicklung und auf eine angemessene Weise einerseits Bedürfnisse erfüllt werden, andererseits Grenzen gesetzt werden. Auf diese Weise lernt das Kind die ehemals äußere Struktur als Maßstab für die innere Infrastruktur (Kybernetik) zu verwenden. Bis es irgendwann selbst dazu in der Lage ist die eigene Infrastruktur anderen als Strukturen zur Verfügung zu stellen.

Eltern  und Erziehungsberechtigte sind also dazu berufen die Allostase Fähigkeit ihrer Schutzbefohlenen einzurichten, da Kinder dies bei sich selbst nicht können. Sie sind anfänglich auf die Regulierung durch ihre Eltern angewiesen. Eltern müssen  also bestimmte innere Maßstäbe zu bestimmten Zeiten vorgeben, die später im System Regulationsstandards setzen. Nur so können Kinder Meilensteine ihrer Entwicklung erreichen.

Damit rückt natürlich sowohl die Wichtigkeit des Wissens um die Meilensteine kindlicher Entwicklung in den Vordergrund, als auch deren konkrete Messbarkeit im Verlauf der Ontogenese.

Welche Meilensteine für die Einrichtung der Allostase Fähigkeit wichtig sind und wie man diese erkennt, sollte der Inhalt jeder Methode sein, die ernsthaft die Ursache von Erkrankungen behandeln möchte. Denn die gute Nachricht ist, dass Entwicklung in den meisten Fällen nachgeholt werden kann, wenn die damals fehlenden Ressourcen in der Reihenfolge nachgereicht werden, die einer optimalen Ontogenese entsprochen hätte.

Wichtig ist natürlich die richtigen Schalthebel im Organismus zu bedienen, wobei wir wieder beim Nervensystem und dem Gehirn angelangt wären.

Das Nervensystem als Schalthebel der Ontogenese

Im Laufe seiner ersten 21 Lebensjahre vollzieht der menschliche Organismus eine erhebliche innere Entwicklung. Alle körperlichen Systeme sind dabei beteiligt, wenn ein Baby schlussendlich lernt zu laufen oder wenn ein Kind in die Pubertät kommt. Aber natürlich ist das Nervensystem als Chef-Koordinator an dieser Entwicklung der maßgebliche Taktgeber.

Es ist das Nervensystem, welches sich im Sinne der allostatischen Überladung Typ 2 von der Realität entfremden kann – und tatsächlich führt eine nicht optimal abgelaufene Ontogenese fast immer zu einer Verzerrung der Realität. Somit kann auch nur das Nervensystem sich der Realität wieder annähern. Ist das Nervensystem reif, reifen auch andere Organsysteme nach, z.B. das Hormonsystem.

Aus diesem Grund kommt der Gehirnentwicklung bei der Einrichtung der Allostase Fähigkeit eine herausragende Bedeutung zu.

Die meisten Menschen setzen Wachstum und Entwicklung gleich. Sie gehen davon aus, dass sich das Gehirn alleine durch die Zunahme an Masse entwickelt. Oder dass ein ausgewachsenes Gehirn auch gleichzeitig entwickelt wäre. Während natürlich die Größe des Gehirns im Sinne einer anatomischen Struktur für die Entwicklung des Gehirns nicht ganz unwichtig ist, ist einmal mehr die Infrastruktur des Gehirns für seine optimale Funktion ausschlaggebend. Wenn man analog das System “Stadt” heranzieht, ist jedem klar, dass eine Stadt, die ohne Infrastruktur wächst, im Chaos versinkt. Slums sind dafür ein gutes Beispiel, wobei selbst Slums nach und nach immer auch Organisationsstrukturen und Infrastrukturen aufbauen. 

Wir haben ja bereits festgestellt, dass das Gehirn eine koordinative Aufgabe inne hat, womit es zur höchsten Instanz in der Infrastruktur des Körpers wird. Ein wesentliches Merkmal dieser Infrastruktur ist die Vernetzung verschiedener Gehirnteile untereinander und die Vernetzung des Gehirns mit anderen Teilen des Nervensystems und den restlichen Organsystemen. Fassbar wird diese Vernetzung in neuronalen Netzwerken, dem Zusammenschluss von Neuronen zu funktionellen Einheiten, die sich allerdings erst im Laufe des Lebens ausbilden:

“Neuronale Netzwerke sind wohl die wichtigsten suprazellulären Vermittler der verschiedenen funktionellen Fähigkeiten des Gehirns. Ein Netzwerk bezieht sich in der Regel auf eine Reihe miteinander verbundener Komponenten, die gemeinsam eine bestimmte Funktion ausüben. Ein neuronales Netzwerk im Gehirn kann ein Cluster von Neuronen sein, der elektrochemische Informationen empfängt, die das Netzwerk modifiziert und an andere Netzwerke zur weiteren Modifikation weiterleitet. Ein neuronales Netzwerk kann aber auch aus einem Netz miteinander verbundener Hirnregionen bestehen, die gemeinsam große Mengen an Informationen integrieren und kompliziertere kognitive und regulatorische Funktionen ausführen. Es liegt auf der Hand, dass diese verteilten neuronalen Netzwerke weder bei der Geburt vorhanden noch im Laufe des Lebens unveränderlich sind. Vielmehr erfordert die Entwicklung der Schaltkreise des Gehirns die Koordination einer außergewöhnlich komplexen Reihe von Ereignissen in der Neuroentwicklung.”

Tau et al., Normal Development of Brain Circuits, 2009

Ein wesentlicher Faktor bei der Effizienz dieser neuronalen Netzwerke ist auch die Geschwindigkeit der Übertragung nervlicher Impulse, die im Laufe der Entwicklung durch die Umhüllung vieler Nerven mit einer speziellen Substanz, dem Myelin, beschleunigt wird. Wie auf dem unteren Bild zu sehen ist, läuft diese Myelinisierung weit über die eigentliche Bildung und das Wachstum des Gehirns hinaus weiter, nämlich ein Leben lang:

Auch in den neuronalen Netzwerken spiegelt sich die Historie des Organismus wieder:

“Sich entwickelnde experimentelle Ansätze haben uns eine zunehmend differenziertere Sicht auf die Entwicklung der Schaltkreise des Gehirns als eine langwierige und sogar lebenslange Abfolge miteinander verbundener und sich teilweise überlappender, sich wiederholender biologischer Prozesse ermöglicht, die in verschiedenen Gehirnregionen ihren eigenen zeitlichen Verlauf nehmen. Die zugrundeliegenden zellulären Prozesse werden durch komplizierte molekulare Vorgänge unterstützt, die durch komplexe Wechselwirkungen zwischen genetischen Programmen, Umwelteinflüssen und Erfahrungen bestimmt werden und den dynamischen Umbau der Netzwerke während der gesamten Lebensspanne vorantreiben. Der richtige Zeitpunkt und die korrekte Ausführung jedes dieser Prozesse ist von entscheidender Bedeutung für die optimale Funktionsfähigkeit neuronaler Netzwerke und kann daher auch als ein Ort der Anfälligkeit für die Auswirkungen genetischer Aberrationen und negativer Umwelteinflüsse dienen.”

Tau et al., Normal Development of Brain Circuits, 2009

Die im Zitat erwähnten sensiblen Zeitpunkte können mit Meilensteinen der Entwicklung gleichgesetzt werden, die zwar im Idealfall im Sinne einer optimalen Entfaltung des genetischen Potentials ablaufen, jedoch auch durch Umwelteinflüsse gestört werden können:

Man könnte auch sagen, dass es äußere und innere Einflüsse für die Entstehung von Erkrankungen gibt. Bei den äußeren Einflüssen finden wir Mängel an Ressourcen allgemein, vor allem natürlich an Energie (allostatische Überladung Typ 1). Genauso wird aber die Gehirnentwicklung durch schädliche “Überschüsse” wie iatrogene Faktoren oder Umweltgifte bedroht. Mängel und Überschüsse begünstigen wiederum die Entwicklung der allostatischen Überladung Typ 2 im Sinne einer inneren Störung. Denn wir erinnern uns daran, dass Kinder bei ihrer Entwicklung von außen reguliert werden müssen. Somit können Fehler in der Erziehung, mangelnde Zuwendung usw. als ein Mangel an Ressourcen betrachtet werden, der schlussendlich beim Kind zu einer verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit führt.

Zu der Entstehung von Entwicklungsmängeln kann noch sehr viel mehr gesagt werden. Doch unser Ziel in diesem Artikel war die Darstellng einer sinnvollen Systematik zur ursächlichen Behandlung von Erkrankungen. Wir haben hierfür die Begriffe Gesundheit und Krankheit definiert, um schlussendlich herzuleiten, dass Heilung ursächlich nur dann möglich ist, wenn die Allostase Fähigkeit des Organismus durch die Beachtung der Ontogenese (wieder) hergestellt werden kann:

Endlich kennen wir in Bezug auf eine ursächliche Behandlung von Erkrankungen Startpunkt, Weg und Ziel.

Wenn wir nun von einem integralen Heilansatz sprechen, wissen Sie, was damit gemeint ist.

Welche Konsequenzen sich aus dem in Bezug auf das offenene komplexe System  gesagte für eine Behandlung ergeben, erfahren Sie hier in einem Artikel über wesentliche Ansatzpunkte der Integralen Medizin.

In einem weiteren Artikel können Sie hier mehr über die von Katia Trost entwickelte Evogralis Methode erfahren. Die Evogralis Methode ist ein integrales Konzept, welches Interventionen bereit stellt, um die Allostase Fähigkeit bei Erwachsenen Schritt-für-Schritt nachzuholen und bei Kindern gleich optimal einzurichten.

Bilder: wenn nicht weiter gekennzeichnet eigenes Werk/Canva; Fließgleichgewicht: eigenes Werk+Indoor-Fanatiker, Wikipedia; Biologische Toleranzkurve: Eigenes Werk+ Geo-Science-International, Wikipedia

Diese Seite wird momentan überarbeitet, daher führen einige Punkte im Menü noch zu leeren Seiten, wenn es um die Schwerpunkte bei den Themen Stabilisierung nach Covid, Regulation des Immunsystems und Basis für Entwicklungstherapie geht. Alle weiteren Punkte zur hormonellen Regulation können Sie jedoch erreichen. Bitte verzeihen Sie die Umstände. Wir bemühen uns darum baldmöglichst diese Webseite zu aktualisieren.

Wie kann unsere Praxis Sie am besten unterstützen?