Traumatherapie
Innere Sicherheit als Grundlage von Regulation
Traumatische Erfahrungen wirken nicht nur auf unsere Psyche. Sie können auch das Nervensystem, unsere Stressregulation und damit zahlreiche körperliche Prozesse langfristig beeinflussen.
Dabei muss ein Trauma nicht immer aus einem einzelnen dramatischen Ereignis entstehen. Auch frühe Erfahrungen von Unsicherheit, fehlender emotionaler Resonanz, Überforderung, nicht gesehen werden oder mangelnder Bindung können Spuren hinterlassen – selbst dann, wenn die eigene Kindheit rückblickend als überwiegend gut erlebt wird.
Bindung als Grundlage innerer Sicherheit
Jedes Kind ist darauf angewiesen, dass Bedürfnisse nach Sicherheit, Schutz, Nähe und Regulation durch Bezugspersonen erfüllt werden.
Im Erwachsenenalter verändert sich diese Verantwortung
Gesunde Beziehungen bleiben wichtig. Gleichzeitig besteht ein wesentlicher Entwicklungsschritt darin, Sicherheit, Halt und Regulation zunehmend auch in sich selbst zu finden.
Genau hier setzt das Comprehensive Resource Model an.
Ziel ist nicht, Menschen dauerhaft von therapeutischer Begleitung abhängig zu machen. Vielmehr soll die Fähigkeit entstehen, eigene innere Ressourcen zu entwickeln und auf diese auch in belastenden Situationen zurückgreifen zu können.
Eine stabile Bindung zu sich selbst kann dazu beitragen, dass alte traumatische Reaktionsmuster nicht mehr automatisch das gegenwärtige Erleben bestimmen.
Innere Ressourcen statt dauerhafter Abhängigkeit
In meine traumatherapeutische Arbeit fließen unter anderem Elemente des Comprehensive Resource Model – CRM, EMDR und Emotionscode ein.
CRM wurde mit dem Ziel entwickelt, Menschen zunächst mit inneren Ressourcen auszustatten, bevor traumatische Inhalte bearbeitet werden.
Dadurch steht nicht ausschließlich die belastende Erinnerung im Mittelpunkt, sondern zunächst die Frage:
Was benötigt das Nervensystem, um sich ausreichend sicher zu fühlen?
Erst aus dieser inneren Stabilität heraus können alte emotionale Zustände betrachtet und verarbeitet werden, ohne immer wieder vollständig in ihnen aufzugehen.
Dabei geht es auch darum, frühere kindliche Erlebniszustände nicht dauerhaft festzuschreiben. Verletzte innere Anteile sollen wahrgenommen und verstanden werden – langfristig jedoch wieder Bestandteil einer erwachsenen, integrierten Persönlichkeit werden.
Traumatische Reaktionen betreffen auch den Körper
Traumatische Erfahrungen sind immer auch körperliche Erfahrungen.
Starke Angst, Hilflosigkeit oder das Gefühl existenzieller Bedrohung aktivieren das autonome Nervensystem. Gleichzeitig verändern sich unter anderem die Ausschüttung von Stresshormonen und Neurotransmittern sowie vegetative und metabolische Regulationsprozesse.
Bleibt eine solche Reaktion im Nervensystem bestehen oder wird sie immer wieder aktiviert, können sich daraus langfristig funktionelle Beschwerden entwickeln.
Der Körper reagiert dann möglicherweise weiterhin auf eine Gefahr, die in der Gegenwart längst nicht mehr besteht.
Deshalb spielt Traumatherapie in meiner Praxis nicht nur bei psychischen Beschwerden eine Rolle, sondern auch bei körperlichen und hormonellen Regulationsstörungen.
Wird eine alte Stress- oder Traumaschleife gelöst, kann sich auch die damit verbundene dauerhafte Alarmreaktion verändern. Das schafft günstigere Voraussetzungen dafür, dass das Nervensystem und andere Regulationssysteme des Körpers wieder in ein physiologischeres Gleichgewicht zurückfinden.
Bindungsstörungen sind nicht immer offensichtlich
Eine unsichere Bindungsstruktur zeigt sich nicht zwangsläufig in schweren psychischen Erkrankungen.
Viele Menschen wirken nach außen stabil, erfolgreich, verantwortungsbewusst und selbstsicher. Gleichzeitig können im Hintergrund Selbstzweifel, starke Anpassung, Verlustängste, emotionale Abhängigkeit, Perfektionismus, Schwierigkeiten mit Nähe und Distanz oder abgespaltene Gefühle bestehen.
Solche Muster werden häufig als Teil der Persönlichkeit betrachtet und deshalb kaum hinterfragt.
Für mich gehört die Bindungsfähigkeit jedoch zu den zentralen Grundlagen psychischer und körperlicher Regulation.
Dabei geht es vor allem um die Bindung zu sich selbst.
Wer sich innerlich sicher fühlt, die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen kann und Verantwortung für deren Erfüllung übernimmt, ist weniger darauf angewiesen, dass andere Menschen dauerhaft Sicherheit, Anerkennung oder Stabilität herstellen.
Traumatherapie als Bestandteil meiner Behandlung
Aus diesem Grund betrachte ich traumatherapeutische Arbeit nicht ausschließlich als Behandlung schwerer Traumafolgestörungen.
Sie kann auch ein wichtiger Baustein innerhalb einer umfassenden regulativen Therapie sein.
Bei meinen Patienten überprüfe ich deshalb, ob alte Bindungs-, Stress- oder Traumamuster möglicherweise an der Aufrechterhaltung bestehender Beschwerden beteiligt sind.
Meine heutige traumatherapeutische Methodik verbindet verschiedene Ansätze und enthält unter anderem Elemente des CRM. Im Mittelpunkt stehen dabei:
- Aufbau innerer Sicherheit
- Entwicklung eigener Ressourcen
- Verbesserung der Selbstregulation
- Integration früher emotionaler Erlebniszustände
- Lösung festgefahrener Stress- und Traumaschleifen
- Stärkung der Bindung zu sich selbst
- zunehmende emotionale Eigenständigkeit
Das Ziel besteht nicht darin, die Vergangenheit immer wieder zu analysieren.
Es geht darum, dass sie die Gegenwart nicht länger steuert.

