Depressionen / Ängste
Depressionen und Ängste treten häufig gemeinsam auf. Trotzdem können sie ganz unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb reicht es aus meiner Sicht nicht, nur auf die Symptome zu schauen. Entscheidend ist die Frage, welche Regulationsmechanismen im Körper oder Nervensystem aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Depressionen – wenn die Biochemie aus dem Gleichgewicht gerät
William Walsh beschreibt Depressionen nicht als einheitliche Erkrankung. Hinter ähnlichen Beschwerden können vielmehr sehr unterschiedliche biochemische Muster stehen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Methylierung. Auch Veränderungen im Kupferstoffwechsel, im Folsäurestoffwechsel, im Vitamin-D-Stoffwechsel oder Stoffwechselstörungen wie zum Beispiel HPU können nach Walsh mit depressiven Beschwerden verbunden sein.
Das bedeutet: Zwei Menschen können unter sehr ähnlichen Symptomen leiden und trotzdem völlig unterschiedliche biochemische Ursachen haben.
Typische Beschwerden können sein:
- depressive Stimmung
- Antriebslosigkeit
- Erschöpfung
- Interessenverlust
- innere Leere
- Grübeln
- Rückzug
- Schlafstörungen
- Konzentrationsprobleme
- Reizbarkeit
- innere Anspannung
- Perfektionismus oder zwanghafte Tendenzen
- jahreszeitliche Verschlechterungen
Der entscheidende Ansatz besteht deshalb darin, nicht nur nach einem Mangel zu suchen, sondern das individuelle biochemische Muster zu erkennen.
Ängste – wenn das Nervensystem alte Gefahr erinnert
Bei Ängsten ist häufig eine andere Ebene wichtig.
Unser Nervensystem speichert Erfahrungen. Besonders frühe Erfahrungen von Unsicherheit, Hilflosigkeit, Überforderung, Trennung oder fehlender Bindung können dazu führen, dass bestimmte Situationen später automatisch als Gefahr bewertet werden.
Dabei muss im gegenwärtigen Moment gar keine reale Bedrohung bestehen.
Der Verstand weiß vielleicht:
„Eigentlich ist alles in Ordnung.“
Der Körper reagiert trotzdem mit Angst.
Typische Beschwerden können sein:
- diffuse Ängste
- Panik
- innere Unruhe
- Herzklopfen
- Engegefühl
- Atemnot
- Schwindel
- Zittern
- ständige Wachsamkeit
- Kontrollbedürfnis
- Vermeidung
- Rückzug
- Erstarrung
- Hilflosigkeit
- Dissoziation
- Depersonalisation
Das Comprehensive Resource Model (CRM) betrachtet solche Reaktionen nicht einfach als Fehlfunktion. Viele von ihnen waren ursprünglich sinnvolle Schutzmechanismen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
„Wovor habe ich Angst?“
Sondern:
„Was kann ich dafür tun, dass mein Nervensystem genau hier keine Gefahr mehr erwartet?“
In der Traumatherapie geht es darum, zunächst wieder innere Sicherheit und Stabilität aufzubauen. Anschließend können belastende Erfahrungen so verarbeitet werden, dass sie zwar Teil der eigenen Geschichte bleiben, aber nicht mehr automatisch dieselbe Angstreaktion auslösen.
Nicht nur Symptome behandeln
Depressionen können wesentlich durch biochemische Regulationsstörungen geprägt sein.
Ängste können wesentlich mit gespeicherten Erfahrungen und Schutzreaktionen des Nervensystems zusammenhängen.
Beides kann sich überschneiden.
Entscheidend ist die Frage:
Was hält die Beschwerden aufrecht?
