Mythos Östrogenmangel

Östrogenmangel unwahrscheinlich

Ein Östrogenmangel ist äußerst selten! Was viele nicht Wissen: Östrogene können fast in jeder Zelle unseres Körpers hergestellt werden. Denn durch ein Enzym namens Aromatase kann der Körper grundsätzlich aus Testosteron Östrogen herstellen. Damit ist es selbst für eine Frau ohne Eierstöcke schwer in einen Östrogenmangel zu kommen. Denn die Menge an Östrogenen, die im Gewebe produziert werden kann, wird bei Bedarf der Menge an Östrogenen angeglichen, welche die Eierstöcke produziert hätten.

Davon einmal abgesehen, wird Östrogen nur in winzigen Mengen vom Körper benötigt-auch das macht einen Östrogenmangel im Gegensatz zum Progesteronmangel unwahrscheinlich. Dabei ist unsere Umwelt voll von Xenoöstrogenen, die sogar durch das Grundwasser ständig an uns heran getragen werden. Somit wird jeder Mensch sowieso ganz unfreiwillig mit Östrogenen versorgt.

Der Körper kann außerdem auch aus Pregnenolon oder Progesteron bei Bedarf Östrogene herstellen, sodass bei einem generellen Mangel an Geschlechtshormonen auf diese Stoffe in der Hormonersatztherapie zurück gegriffen werden kann.

Doch warum werden Östrogene immer noch so häufig eingesetzt?

  • Östrogene haben, wie auch andere Stresshormone, eine anfänglich aufputschende, euphorisierende, befeuchtende und tonisierende Wirkung, die jedoch schnell vorübergeht. In der Natur ist diese Wirkung für die Zeit des Eisprungs gedacht, welche die Frau für den Mann zwecks Fortpflanzung attraktiver machen soll. Der normalerweise schnell nach dem Eisprung einsetzende Progesteroneinschuss relativiert diese Wirkung dann wieder, sodass aus der kurzzeitigen Östrogenerhöhung keine Gefahr für die Gesundheit ausgeht. Die euphorisierende Wirkung setzt auch nur dann ein, wenn auch die Schilddrüsenhormone, Progesteron und Testosteron im richtigen Verhältnis sind. Längerfristig wirken Östrogene als Stresshormon, die durch Schwellung und Zellteilung agieren, was grundsätzlich ein Mechanismus ist, der dem Krebs zugeschrieben wird. Strukturell führt Östrogen auch keinesfalls zu einer in der Tiefe „prallen“ Haut, Haut wie Schleimhäute sind lediglich aufgequollen. Denn Östrogen zerstört im Gegensatz zum DHEA, Pregnenolon und Progesteron Kollagenbindungen. Dass Östrogen vor Osteoporose schützt, ist ein hartnäckiger Mythos. Zwar verhindert Östrogen die Aktivität der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten), eine positive Wirkung auf die Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten) hat Östrogen jedoch keinesfalls. Hierfür sind Schilddrüsenhormone und Progesteron zuständig.
  • Die Symptome, die dem „Östrogenmangel“ zugeschrieben werden, können meist anders als durch Östrogengaben gelöst werden. Hitzewallungen in etwas sind im Eigentlichen ein Problem der Unterzuckerung, was der Körper durch Adrenalineinschüsse versucht schnell zu beheben. Die Trockenheit der Haut ist häufig auf ein Kalzium Überschuss im Gewebe oder eine Minderversorgung mit Eiweiß zurück zu führen.
  • Auch wenn in Labortests (Blut, Speichel) ein Östrogenmangel zu bestehen scheint, heißt das nicht, dass sich im Gewebe keine Östrogene aufhalten würden. Dies ist besonders wahrscheinlich, wenn entzündliche Prozesse (auch Mikroentzündungen und „silent inflammations“, die nicht durch konventionelle Entzündungsmarker wie CRP erfasst werden) im Körper vorhanden sind.

In meiner Praxis empfehle ich die Einnahme von Östrogenen grundsätzlich nicht (unabhängig davon, ob es sich um künstliche, natürliche, naturidentische oder Phytoöstrogene handelt). Ich nehme auch Patienten, welche Östrogene weiter einnehmen wollen, nur in Ausnahmefällen an. Gründe für diese strikte Ablehnung von Östrogenen ist die erhebliche Gefahr die von einem Östrogenüberschuss ausgeht (mehr dazu hier und hier).