Dem Menschen tut nur das gut, was er auch verarbeiten kann. Damit kann es Dinge geben, die einem zwar objektiv gut täten, subjektiv jedoch nicht…

Beispiele:

  • Sport und Bewegung sind grundsätzlich in Maßen gesundheitszuträglich. Ist jemand jedoch vollkommen erschöpft, ist Sport wenig zuträglich.
  • Butter ist ein sehr wertvolles Lebensmittel, weil sie gesättigte Fettsäuren, Vitamin A und Buttersäure u.a. enthält. Hat jemand jedoch eine Gallenschwäche, Milchunverträglichkeit oder einen Lipasemangel, wird er Fett nicht mehr vertragen.
  • Obst ist für gesunde Menschen mit einer guten Kohlenhydratverträglichkeit eine schnelle Energiequelle, welche die Nebennieren beruhigt und den Schilddrüsenstoffwechsel anfeuert. Sobald die Kohlenhydrattoleranz jedoch gestört ist, ist Obst aufgrund seines hohen Zuckergehaltes u.a. kontraproduktiv und führt nach kurzer Zeit zu einer Unterzuckerung.

Im Fall hormoneller Behandlungen bekommt dieses Dilemma eine herausragende Bedeutung, wenn es um die Substitution (Ersatztherapie) durch Hormone geht.

Bei der Aktivierung des Stressstoffwechsels sind die drei großen Hormonsysteme aus der Balance:

  • Die Schilddrüse: ist meist in einer Unterfunktion (oder die Zellen sind unempfindlich für Schilddrüsenhormone). Nur in wenigen Fällen zeigt sich vorübergehend eine Überfunktion.
  • Die Nebennieren: produzieren mehr Adrenalin und in den anfänglichen Stadien der Nebennierenerschöpfung mehr Kortisol. Je länger der Stresszustand anhält, desto weniger Kortisol produzieren die Nebennieren, sodass dann Kortisolmangel herrscht.
  • Die Geschlechtsorgane: gehen als „Trittbrettfahrer“ in die Östrogendominanz, wodurch bei Frauen verstärkt ein Progesteronmangel auftritt, bei Männern eher ein Testosteronmangel.

In vielen Fällen werden dann in einer Behandlung die fehlenden Hormone substituiert. Nicht immer führt das jedoch zu den gewünschten Ergebnissen.

Es ergeben sich typische Probleme bei der Einnahme von Hormonen:

Schilddrüsenhormone:

  • Gleichen die Zeichen der Unterfunktion nicht aus
  • Führen scheinbar zu Zeichen der „Schilddrüsenüberfunktion“ wie Unruhe, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, wobei es sich in der Regel um einen Adrenalinüberschuss handelt. Dies geschieht noch häufiger, sobald auch das aktive Hormon T3 alleine oder in der Kombination mit T4 substituiert wird.

DHEA

  • „Schlägt nicht an“
  • Führt zu einer Verstärkung der Östrogendominanz

Progesteron

  • „Schlägt nicht an“
  • Führt zu einer Verstärkung der Östrogendominanz
  • Führt zu Unruhe und Symptomen der Adrenalindominanz

Pregnenolon

  • Führt zu hohen Kortisolwerten und Symptomen des Cushing Syndroms

Testosteron

  • „Schlägt nicht an“
  • Führt zu einer Verstärkung der Östrogendominanz

Warum passiert das?

Die Antwort liegt in der Fähigkeit des Körpers vom Schilddrüsenstoffwechsel in den Stressstoffwechsel zu wechseln. Sind die „Weichen“ auf Stress gestellt, werden verstärkt Stresshormone hergestellt. Dafür braucht der Körper Bausteine. Als solche dienen die Hormone, die im Schilddrüsenstoffwechsel überwiegen. Dazu gehören Pregnenolon, DHEA, Testosteron und Progesteron. Im Stressstoffwechsel werden aus diesen Kortisol und Östrogen vor allem hergestellt:

Steroid synthese

Schilddrüsenhormone:

  • Verstärken die Empfindlichkeit für alle Hormone im Körper. Oft wird dann die Präsenz des Adrenalins besonders gefühlt, wodurch Reizbarkeit, Herzklopfen und Unruhe u.a. entstehen.

DHEA

  • Wandelt sich bei Stress in Östrogen um.

Progesteron

  • Wandelt sich bei Stress in Östrogen um.
  • Kann in einigen Fällen zu Entgiftungssymptomen führen, die dann bei einer Überforderung des Körpers zu einer Adrenalinausschüttung führen.

Pregnenolon

  • Wandelt sich in Kortisol um.

Testosteron

  • Wandelt sich durch Aromatisierung in Östrogen um

Hiermit wird noch einmal klar, wie wichtig es ist bei einer hormonellen Therapie die Ursachen zu beseitigen, welche die Störung letztendlich verursacht haben. Der Körper wird nicht einfach die Speicher eines Hormones „auffüllen“, wenn ihm das ganze System den Notstand anzeigt. Die Lenkung der „Stressweichen“ befinden sich auf Stoffwechselebene. Nur wenn dort die Weichen verändert werden, springt der Schilddrüsenstoffwechsel wieder an und der Körper stellt die zum ihm gehörigen Hormone von alleine wieder her, bzw. belässt sie in ihrer bestehenden Form, sollte eine Substitution stattfinden.

Bild: Tkgd2007, Wikipedia